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  1. #151
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Erschrockend kreischte Nezlez auf und trat nach...was auch immer sie gerade griff. Die Krake zog ihren Arm zurück. Nezlez klappte der Mund auf. "Was..."Sie stolperte ein paar Schritte zurück. "Also ich habe in meinem Leben schon eine Menge abartige Dinge gesehen...aber du bist ja wohl das hässlichste Monster von allen! Komm mir bloß nicht zu nahe!"
    "Triiink" wiederholte das Krakenmonster mit seinen unzähligen Mündern. ...bestimmt bin ich immer noch ohnmächtig und das ist nur ein Traum Sie zwickte sich mit ihren scharfen Nägeln in den Arm. "Au." Mist

    "Das glaubst du ja wohl selbst nicht, dass ich von dieser Brühe trinke, du willst mich doch vergiften!" Das Blöde war, dass sie sogar ihren Dolch verloren hatte. Und sie hatte keine Ahnung wie sie hier wieder rauskam. Nezlez konnte sich kaum vorstellen, dass das Krakenmonster irgendwas anderes im Sinn hatte, als sie umzubringen. Aber vielleicht konnte sie es überlisten. Sie dachte scharf nach. Erst einmal musste sie es irgendwie ablenken. "Was zum Geier bist du überhaupt?"

  2. #152
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Rijok lehnte an der feuchtkalten Höhlenwand und beobachtete Alari bei der Arbeit. Seine obsidianbesetzte Keulte ruhte in Griffweite einen halben Meter weiter. Die Drachenrunen hatten sein Interesse geweckt. Bei seinem Volk lernten nur die Adepten der Priesterschaft die Bedeutung der Glyphen. Er hatte sie immer für nutzlose Geheimnistuerei gehalten, eine Art Geheimsprache die der Priesterschaft half sich ganz besonders wichtig zu fühlen. Das Tor war das erste Beispiel praktischen Nutzens der Runen, dass er jemals gesehen hatte. Er hoffte die Elfengelehrte wusste was sie tat. Auch Pehtia beobachtete ihr tun interessiert. Nur Nalim schien dem Rätselraten nichts abgewinnen zu können. Er hatte sich auf den Boden sinken lassen, wo er gewissenhaft seine Ausrüstung prüfte.

    Lustlos kaute Rijok auf einem streifen gepökelten Fleisches herum. Die Prozedur am Tor zog sich immer mehr in die Länge. Der grobschlächtige Menschling und die Elfenwache waren inzwischen aufgebrochen um ihrem Umgebung in Augenschein zu nehmen und sich ein wenig nach dem Goblin-Weibchen umzusehen. Rijok selbst zweifelte keine Sekunde daran, dass sich der Goblin abgesetzt hatte, sofern sich ihre eine lohnende Möglichkeit geboten hatte. Er verstand beim besten Willen nicht warum die Elfe so sehr an ihr zu hängen schien. Bisher hatte sie wahrlich wenig getan, dass ein solches Vertrauen in sie rechtfertigte.

    Das idyllische Geplätscher des Wassers ließ ihn schläfrig werden. Rijok spürte die Anstrengungen der vergangenen Tagen deutlich in den Knochen. Er war eben nicht mehr der Jüngste, und ohnehin nie ein Krieger gewesen. Er seufzte schicksalsergeben und zupfte sich eine lose Schuppe von der Schulter. Gedankenverloren fuhr er mit dem Daumen über das schneeweiße Keratin. Ohne den Fluch würde er nun wohl hinter einem Stand auf dem großen Basar stehen und exotische Gewürze anpreisen während Karawanenführung in seinem Auftrag die Fürstentümer befuhren. Früher hatten ihn solche Gedanken in Rage versetzt. Inzwischen machten sie ihn nur noch lethargisch.

    Alari, die sich doch sonst so gerne in Redeschwällen erbrach die selbst die königlichen Marktschreier als aufdringlich empfunden hätten, brütete noch immer in ungewohnter Stille über dem Tormechanismus. Konzentriert starrte sie auf die Glyphen und wandte sich nur ein einziges Mal ab um Nalim einen genervten Blick zuzuwerfen, als dieser grinsend vorschlug den noch immer abwesenden Cadan als Rammbock zu verwenden.

    Ein lautes Klicken riss Rijok aus seinem Dämmerzustand. Sofort sprang er auf und griff zur Waffe. Mit einem schabenden Geräusch schwangen die Torflügel des glyphenbesetzten Zugangs auf und gaben ihnen den Weg frei. Rijok hatte keine Ahnung wie die Elfe die Tür aufbekommen hatte, aber es war ihm auch egal. Alles war besser als das ewige Warten. Er warf einen fragenden Blick in die Runde. Cadan, Celriel und Goblin waren noch nicht wieder da. „Wir sollten noch einige Minuten warten.“ schlug er vor. „wäre Schade um die Elfe.“
    Geändert von Aeon525 (10.06.2017 um 11:41 Uhr)

  3. #153
    Siedler Avatar von coel
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    Als Vidar endlich die letzte Stufe erklommen hatte, schnaufte er und fuhr sich mit dem Ärmel seines Hemdes über seine vom Schweiß befeuchtete Stirn. Er öffnete beiläufig sein Wams, während er einen Blick zurückwarf, um noch einmal seinen Weg hinauf zu verfolgen. Es war ein anstrengender Aufstieg zur Spitze des Hügels gewesen, denn die spärlich gesetzten Stufen aus Felsbrocken waren nicht nur unregelmäßig in ihrer Höhe, sondern auch ungeschickt geformt worden. Die vielen Schritte, die diese Steine belastet hatten, lagen schon viele Jahre zurück. Ein früherer Pfad war kaum noch erkennbar und die Natur holte sich das zurück, was ihr genommen worden war.
    Sein Auge wanderte von den Stufen weg zum Horizont. Die Sonne verließ allmählich den Himmel und tauchte alles in ein rotgoldenes Licht. Der ganze Nördliche Wald schien sich vor ihm endlos zu erstrecken. Der Wind strich über die großen Bäume und ließ ihr Blätterwerk sanft zittern, so dass sich Wellen in diesem grünen Meer bildeten. Beinahe vergaß Vidar die tödlichen Gefahren, die darin lauerten und verlor sich in einer flüchtigen Ruhe und Zufriedenheit. Er gönnte sich diesen Moment und atmete die frische, kühle Luft tief ein.
    Schließlich schüttelte er das Gefühl aus seinen Gliedern und schritt zum Steinkreis, der auf dem Plateau des Hügels ruhte. Erst jetzt fiel ihm die seltsame Struktur der gesamten Erhebung auf. Dies war kein natürlich entstandenes Werk, sondern von sterblicher und sicherlich auch magischer Hand geschaffen worden. Nachdem er eine Hand auf die schwarze, raue Oberfläche von einem hohen, massiven Obelisken gelegt hatte, spürte er eine gewisse magische Ausstrahlung, die seine Vermutung bestätigte. Dieser Ort war mit Absicht hier geformt worden, doch kannte er keinen Magier, der zu so einer Leistung fähig wäre. Möglicherweise waren es Zauberkundige aus der längst vergangenen goldenen Epoche gewesen, als diese Fertigkeit ihren Höhepunkt hatte, aber Vidar hatte seine Zweifel.
    Doch sein Ziel bestand darin die Antwort auf eine andere Frage zu finden, die ihn erst hierher geführt hatte. Etwas, das ihn eine gefühlte Ewigkeit in seinen Bann hielt und hoffentlich zu einem glücklichen Ende führen würde.
    Inmitten des Steinkreises, wie es der alte Schamane der Satyre beschrieben hatte, stand eine Art Altar, das dem Gestein der Obelisken glich. Es war ebenso tiefschwarz, aber glänzte nicht in den letzten Sonnenstrahlen. Es schien Vidar ganz so, als ob es das Licht verschlingen würde und daraus seine magische Aura beibehielt. Unbekannte Runen waren tief eingemeißelt worden. Eine Schrift, die Vidar, trotz seines reichen Sprachwissens, nicht entziffern konnte. Doch laut dem Schamanen brauchte er dies auch nicht zu tun. Stattdessen zückte er ein Messer und begann das Ritual zu beginnen, welches ihm erklärt worden war.
    Beim Schmerz biss er die Zähne zusammen, als sich die Klinge in seine Handfläche durch das weiche Fleisch schnitt. Es war keine tiefe Wunde, doch sie würde vollkommen für sein Vorhaben ausreichen. Ein Symbol, das wie einem Auge glich, war in den Stein geschliffen worden und füllte sich nun mit seinem Blut an. Es dauerte nicht lang, da begann die Magie des Ortes sich zu verstärken. Das Blut, welches sich in den Rillen gesammelt hatte, verdampfte mit einem Schlag und gleichzeitig glühten die Obelisken um ihn herum in einem bläulichen Schein.
    Zugleich zog ein Gewitter über ihm auf. Immer dichter werdende, dunkle Wolken verdeckten die Sonne und formten einen unnatürlichen Strudel, dessen Zentrum der Altar war. Blitze zuckten herab und wurden mit Leichtigkeit von den Obelisken aufgefangen. Sein Umhang wurde ihm beinahe von den Schultern gerissen, aber Vidar konnte ihn gerade noch zu fassen kriegen. In der Hoffnung sich zu schützen, kniete Vidar vor dem Altar nieder. Als der Sturm seinen Zenit erreichte, zerriss es den Strudel mit einem ohrenbetäubenden Donnerknall. Gewaltige Flügel fegten die Wolken beiseite, gefolgt von einem markerschütternden Brüllen.
    Ein Drache.
    Vidar, der nun auf allen Vieren vor dem Altar war, starrte wie gebannt auf das vor ihm schwebende Wesen. Die onyxschwarzen, makellosen Schuppen glänzten matt im Licht der untergehenden Sonne, die der gigantische Leib des Drachen hinter sich komplett verdeckte. Jeder Stahl würde kümmerlich an ihnen zerbrechen wie ein Ast an einem Stein. Kräfte Klauen, die jede Rüstung und jedes Schild zerschmettert hätten, krallten sich zum Halt in die Erde, als der Drache vor dem Steinkreis gelandet war. Vidar wusste nicht, wie viele Geschichten er bereits über diese gottgleichen Kreaturen gelesen, wie viele Abbilder in Städten und Tempeln betrachtet hatte und keines konnte auch nur annährend die Ausstrahlung von unfassbarer Macht beschreiben, die sich nun vor seinen Augen bot. Vidar war wie versteinert. Er wagte es weder zu sprechen noch sich zu bewegen. Einen Drachen herauszufordern, würde bedeuten das Meer zu erschlagen. Er konnte diesen Kampf nicht gewinnen und eine Flucht wäre ebenfalls sinnlos. Also wartete Vidar auf das Urteil des Drachens, der ihn mit seinen leuchtend jadegrünen Augen aufmerksam studierte. Der große Kopf, den vier Hörner einer Krone gleich zierten, senkte sich etwas zu ihm herab, als wollte der Drache Vidar genauer betrachten. Schließlich begann Vidar seine Stimme zu hören. Es war ein sehr alter Akzent der Imperiumssprache, doch glücklicherweise sprach der Drache langsam mit einer Ruhe, die einerseits beruhigend und sich andererseits bedrohlich anfühlte. Seine Stimme war tief und hatte ein Gewicht an sich, als würde er über Vidar urteilen.
    „Ein Mensch“, der Drache schien amüsiert darüber zu sein, „Was sucht deine Spezies so fern von der Heimat?“
    Bevor Vidar seinen Mut zusammennehmen konnte, um zu antworten, redete der Drache bereits weiter.
    „Ich weiß, wonach du suchst.“
    Erstaunt riss Vidar die Augen auf.
    „Ich weiß, was dich antreibt. Etwas, das in jedem Menschen seit seiner Geburt schneller wächst als sein Körper. Es ist die Gier, nicht wahr?“
    Ohne eine magische Formel zu rezitieren oder eine Geste zu vollführen, erschuf der Drache vor ihm mehrere Illusionen, die für einen Augenschlag erschienen und sogleich wieder verschwanden. Zuerst war es ein Haufen mit Goldmünzen, dann drei wunderschöne Frauen bei denen selbst Elfen vor Neid erblasst wären, ein Abbild von ihm, das eine Krone trug und auf einem Thron saß, ein verziertes Schwert, das die Schmiedekunst der Zwerge in den Schatten stellte, und schließlich ein Grabstein, der zu Staub zerfiel. Tief in Vidars Brust begann es zu schmerzen, nachdem die letzte Illusion verblasste. Seine Gedanken zeigten ihm ein Gesicht, das er nie wieder sehen würde. Ein Funken Hoffnung keimte in ihm auf, aber er gab einen Schwur, den er nicht brechen durfte und wollte.
    „Ich spüre, dass ich richtig lag. Doch ich muss lügen, wenn mich das überrascht hätte. Nun, sprich, Mensch. Zwar kennt mein Leben kein Ende, aber meine Geduld tut es.“
    Nach diesen Worten gelang es Vidar sich zu erheben, um der Gewalt, die Berge versetzen konnte, entgegen zu treten und seinen Wunsch zu äußern.
    „Ich such nach den Tränen Mervas.“
    Der Drache schnaubte auf und Vidar fürchtete, dass er ihn erzürnt hatte. Stattdessen wurde er ruhig und eingehend von den wachsamen grünen Augen studiert.
    „Woher weißt du von den Tränen?“
    „Aus Büchern über den Ersten Krieg.“
    Vidar erschrak, als der Drache plötzlich zu lachen anfing. Es war kein ansteckendes Lachen, sondern eines, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
    „Du vertraust auf die Märchengeschichten, die aus schwachen Erinnerungen gestrickt worden sind? Deine Kühnheit, die an Naivität grenzt, amüsiert mich, Mensch. Du hast jedoch Glück. Dieses Artefakt existiert tatsächlich. Ich selbst habe gesehen, wie es von Zarlandris erschaffen worden war.“
    Bei der Erwähnung des Namens von einem der Großen Sieben wurde Vidar erst deutlich, mit wem er es zu tun hatte. Dies war kein hoher Drache, sondern weit mehr als das.
    „Du bist…“
    „Ja, Mensch“, unterbrach ihn der Drache, „Ich bin einer der Großen Sieben. Ich bin Vercervoran.“
    „Vercevoran, der Schatten“, flüsterte Vidar voller Fassungslosigkeit.
    „Die Tränen Mervas gibt es noch. Deine Suche war nicht vergebens, aber ihre Bergung wird dir nicht leicht fallen. Ich weiß, wo das Artefakt verborgen ist.“
    „Wieso?“
    Vercevoran, auch genannt der Schatten, schnaubte belustigt auf und sein Kopf näherte sich Vidar, der erschrocken mit unbeholfenen Schritten zurückwich.
    „Weil ich es dorthin gebracht habe.“



  4. #154
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Sie folgten dem Wasser, oder besser gesagt jenem Geräusch, das sich wie Wasser anhörte. Sie brauchte nicht weit zu gehen, um es deutlich wahr zu nehmen, aber woher es kam und wohin es floss, war beiden ein Rätsel. Cadan war der Meinung, dass das Wasser ja irgendwo hin müsse, da hier noch nicht alles überschwemmt war, war es gut möglich das es irgendwohin ins freie Abfließen konnte. Es könnte also eine Möglichkeit sein, diesem Ort zu entkommen, wenn es denn sein müsste. Celriel war der gleichen Meinung, wenngleich sie es auch gerne die Quelle wüsste. Wer weiß woher es kam, ob es natürlichem Ursprung war oder hochgepumpt wurde. Letzteres war aufgrund der Zeit aber wohl sehr unwahrscheinlich. Außerdem war Nezlez vielleicht ja auch dem Wasser gefolgt. Beide beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, doch das unterfangen entpuppte sich als gar nicht so einfach. Einen direkten Zugang gab es nicht und die Fackeln spendeten nur wenig Licht. Nur langsam kamen beide voran wobei sie das Wasser mal deutlicher hörten und mal fast gar nicht mehr wahrnahmen.

    Nach etlichen Biegungen und stets darauf bedacht, in keine weitere Falle zu tappen, hatten Celriel und Cadan sich tief in den Tempel begeben, doch es gab weder Fallen noch irgendwelche Untoten Feinde, die ihre Ewigkeit damit verbrachten, die Gänge zu bewachen. Celriel vermutete, das sie in einem alten Stollen gelangt waren, der dem Bau der Anlage gedient hatte und danach keinen Zweck mehr hatte. Zumindest sprach die Beschaffenheit des Ganges dafür, der ungleichmäßig und primitiv wirkte. Eher an ein Bergwerk als an einen Tempel. Jedenfalls waren sie dem Wasser ziemlich nahe. Irgendwann war der Gang abrupt zu Ende und hätte die Elfenkriegerin Cadan nicht gewarnt, wäre er schnurstracks in die Tiefe gestürzt. Was sie vor sich hatten war eine gigantische Höhle, dessen Ausmaße sie dank des wenigen Lichtes nur erahnen konnten. Doch die Geräuschkulisse machte beiden deutlich, das sie groß sein musste. Irgendwo hier stürzte das Wasser in die Tiefe, aber wo genau und ließ sich nicht sagen.
    „Es scheint, als führe hier sowas wie ein Weg hinunter.“, stellte Cadan fest, nachdem er sich ein wenig umgeschaut hatte. „Zumindest sieht es begehbar aus. Außer du kannst fliegen.“

  5. #155
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    „Natürlich kann ich nicht fliegen! Ich bin eine Elfe, keine Fee. Den Unterschied wirst du ja wohl kennen. Oder hab ich neuerdings Flügel am Rücken?!“ blaffte Celriel ihn mit ärgerlichem Blick an.
    Cadan hob beschwichtigend die Hände.
    „Immer mit der Ruhe, ich wollte doch nur die Stimmung etwas auflockern.“
    Er nahm die Hände wieder runter.
    „Ist mir wohl missglückt.“ Ergänzte er.
    „Offensichtlich.“

    Schon seit sie die anderen verlassen hatten, war die Wolfsgardistin bei schlechter Laune.
    Tatsächlich war sie alles andere als erfreut darüber, dieses verflixte Goblinweib suchen zu müssen. Doch konnte sie sich Alaris Bitte nicht verwehren, so ungern sie diese auch bei diesem Vidar zurückließ. Aber immerhin waren die Drah’zil auch noch bei ihr. Dieser Umstand besänftigte ihr Sorge zumindest ein wenig.

    Sie wandte sich dem von Cadan angesprochenen Abstieg zu. Soweit sie sehen konnte,
    war der Weg zwar schmal, aber begehbar. Doch wohin er tatsächlich führte …
    „Versuchen wir unser Glück,“ sagte sie zu dem Hünen und marschierte drauf los.

    Immer tiefer ging es hinunter, mit jedem Schritt wurde der Weg beschwerlicher und die Luft stickiger. Zudem lag in zunehmendem Maße kleineres Geröll herum. Mit jedem Schritt hieß es, mehr Acht zu geben, sonst lief man Gefahr, auszurutschen und in den Abgrund, dessen Boden noch immer nicht erkennbar war, zu stürzen.

    Warum musste dieses elende Goblinweib sich auch ausgerechnet jetzt von der Gruppe absetzen?
    Celriel war sich sicher, dass es so gewesen war.
    Ich sollte dieser elenden Kröte mal so richtig die Leviten lesen. Oder sie am Besten gleich umbringen, dann wären wir wenigstens eine Sorge los.

    Vielleicht solltest du das.

    „Hm? Hast du was gesagt?“
    Celriel war stehengeblieben und hatte sich zu Cadan umgedreht. Hatte sie etwa laut gedacht?
    „Nein, nichts.“ War die knappe Antwort des Hünen. Er schien noch wegen Celriels schroffem Ton etwas eingeschnappt zu sein.
    Sie sollte sich bei ihm entschuldigen.
    Aber erst mal müssen wir diesen grünen Abschaum finden.

    Schließlich hatten sie endlich den Boden der Höhle erreicht. Vor ihnen breitete sich ein unterirdischer See aus.
    Unweit von ihnen konnten sie auch schon die lautstark keifende Nezlez vernehmen. Als sie sich ihr näherten, erkannten sie, dass da noch etwas war, eine abstoßende Kreatur, einem Kraken nicht unähnlich.
    „Los, wir müssen ihr helfen!“
    Kaum gesagt, stürmte Cadan schon los. Celriel hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten.

    Als Nezlez sie anstürmen sah, schien sich Erleichterung in ihrem Gesicht breit zu machen. Aber sie hob auch beschwichtigend die Hände, als wollte sie verhindern, dass die beiden Krieger die Kreatur angriffen.
    Als sie die beiden erreichten, stellten sie sich kampfbereit neben Nezlez und musterten die Kreatur.

    „Was ist denn das für ein hässliches Biest?“ fragte Cadan Nezlez.
    „Weiß ich auch nicht,“ erwiderte diese,“ aber irgendwie glaube ich nicht, dass es uns töten will. Sonst wäre ich längst nicht mehr hier.“
    „Aber was will es dann?“ fragte Celriel.
    „Es sagt, ich soll von dieser grässlichen Brühe trinken!“
    „Und warum trinkst du dann nicht?“ Celriels Stimmme klang plötzlich eiskalt.
    Nezlez schaute verwundert zur Elfe hoch. „Ich soll …“
    Sie verstummte. Der Blick der Elfe war regelrecht vernichtend.
    „Immerhin hast du uns dieses Schlamassel hier eingebrockt, da ist es doch nur fair, wenn du das Versuchskaninchen spielst, oder nicht?“
    „Aber …“ Nezlez wich zurück.
    „Muss ich nachhelfen?“

    Geändert von Waltikon (24.07.2017 um 17:14 Uhr)

  6. #156
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Als sich die Pforte langsam öffnete, trat Alari einen Schritt zurück und musterte das ganze aus zusammen gekniffenen Augen. Als sie hinter sich die Geräusche von mehreren sich in Bewegung setzenden Leibern erhaschte, hielt sie ohne sich umzudrehen einen Arm vor, um ihre Kameraden aufzuhalten. „Ich gemahne Euch zum Warten – etwas stimmt nicht. Etwas stimmt ganz und gar nicht.“ Sie ging vorsichtigen Schrittes näher zur nun offenen Türe hin, hinter der die Schwärze eines Ganges lauerte, der selbst das Licht ihrer Fackeln zu ersticken drohte. Als ob sie sich einem brennenden Feuer näherte, wagte sie es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr, sich weiter zu bewegen, und setzte so keinen Fuß über die Schwelle, die ihnen nun offen stand. „Was denn? Die Tür ist doch offen – worauf warten wir noch?“ fragte jemand hinter ihr. Diese Fragen brachten sie nun doch dazu, sich umzudrehen, als ihre smaragdgrünen Augen wie Kerzenflammen schienen, die die sie umgebenden Schatten durchbrachen. „Solche Eile wird Euren Tod bedeuten! Wir hatten es bislang äusserst schwer, unsere Schritte bis zu diesem Punkt zu setzen – und jetzt öffnet sich die Türe, nur, weil ich deren Inschrift gelesen habe? Viel zu einfach ist dies, und wenn ich mich nicht irre, eine Falle gar!“

    Sie trat einen Schritt zurück und stierte in die Dunkelheit, als ob sie dort etwas erspähen konnte, was nur ihre Augen erhaschen konnten. Als sie sich mit gleissenden Augen erneut zu ihren Gefährten umdrehte, wurde diesen erneut bewusst, wie sehr sie sich doch von Menschen und auch den übrigen Elfen unterschied – denn selbst in dieser Umgebung schien sie die Magie nie gänzlich zu verlassen, bedachte man das Strahlen ihrer Augen und einen sanften Wind, der selbst hier immer wieder ihre Gestalt zu liebkosen schien. „Man möge mich eine Närrin schelten, aber meine Überzeugung sei Die, dass uns hinter dieser Türe der Tod erwartet. Die Schatten sind zu dicht – und zu hungrig. Sie mögen sich so tarnen, als sei es einfach nur Dunkelheit, doch ihre Intensität verrät sie.“ Sie schüttelte den Kopf, sodass ihr flammend rotes Haar nachdrücklich umher schwang. „Diese Türe mag geöffnet sein, doch der Weg dahinter ist uns noch verschlossen. Wir benötigen noch etwas anderes – einen Schlüssel, doch für diesen Weg, nicht aber für diese Türe.“

  7. #157
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    Wie sehr hätte sich Nezlez gewünscht, alleine bis zum Artefakt zu kommen. Aber offensichtlich war es ihr derzeit unmöglich. Daher war sie tatsächlich erleichtert, Cadan und Celriel zu sehen. Doch diese Erleichterung schlug schnell um, als Celriel ihr plötzlich anfing zu drohen.

    Celriel war besser bewaffnet und Fluchtwege gab es nicht. Aber das Tentakelmonster und dieses seltsame Wasser... Wer weis wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diese Brühe überlebe...vielleicht wächst mir auch ein dritter Arm aus dem Rücken. Pfui Teufel ich will es garnicht wissen!.

    Nezlez war tatsächlich eingeschüchtert. Aber so einfach würde sie das nicht zugeben. "Was fällt dir eigentlich ein so mit mir zu sprechen, du Elfenmannsweib!? Wie war das mit Teamwork und zusammenhalt, hä? Wenn überhaupt, nehmen wir alle gleichzeitig einen Schluck! Das wäre fair, jawohl!"
    Doch Celriels Blick lockerte sich kein Bisschen. Schweiß tropfte von Nezlez Stirn. Hilfesuchend sah sie zu Cadan.

  8. #158
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    „Immer mit der Ruhe.“, versuchte der Trolljäger Ceriel zu beschwichtigen. „Guck dir die Brühe mal an, am Ende wird unser kleiner, grüner Gnom hier auch zu so einem Monster und wer weiß, ob uns das dann freundlich gesinnt ist.“, versuchte er Ceriel davon ab zu halten, Nezlez einfach ins Wasser zu stoßen. Und weder sie noch er konnten wissen, was der Kraken damit bezwecken wollte.
    Cadan seufzte, irgendwie war die Stimmung hier ziemlich angeheizt. „Was mich interessiert, warum soll sie davon trinken?“, richtete er seine Frage an das Ungetüm. „Was versprichst du dir davon?“ Der Kraken wandte sich Cadan zu, der eine bestimmten Abstand nicht unterschritt. Nicht aus Angst, aber je weiter weg er stand, desto besser konnte er auf Angriffe reagieren. Auch eine Angewohnheit, die sich nur schwer abgewöhnen ließ.
    „Trinkt!“, rief das Vieh erneut, ob es nun Cadan meinte oder noch immer Nezlez, erschloss sich ihm nicht. „Sprech so undeutlich? Was hast du davon? Rede schon, so schwer kann das ja wohl nichts ein, immerhin haste n verflucht großes Maul.“ Dennoch bezweifelte Cadan, dass er eine Antwort bekommen würde. Ihm war die Situation nicht sehr geheuer, zumal Ceriel sich ziemlich schorf benahm – mehr noch als sonst. „Aber, wenn du nicht willst, gehen wir halt wieder.“

  9. #159
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    Cadans Beschwichtungsversuch fruchtete nichts, im Gegenteil, die Elfe wurde sogar noch zorniger.
    „Von diesem Ding wirst du keine brauchbare Antwort bekommen, du einfältiger Mensch!“
    Während dieser hämischen Worte hatte sie ihren Blick nicht von Nezlez abgewendet.
    „Aber zum Glück haben wir ja unser Versuchskaninchen dabei!“
    Sie stieß vor und wollte die Goblin am Schlafittchen packen, doch Cadan zog diese hinter sich und stieß zugleich die Kriegerin mit einem schubs seiner riesigen Hand zurück.
    „Jetzt krieg dich endlich wieder ein und lass endlich die Kleine in Ruhe, oder muss ich dich erst übers Knie legen, du arrogantes Elfengör?“

    „Du … du wagst es, mich anzufassen, du dreckiger Affe?!“
    Zornesrot im Gesicht sprang Celriel vor und verpasste dem Hünen eine durchgezogene Ohrfeige mit dem Handrücken.
    Doch was so mach anderen von den Beinen geholt hätte, ließ den Riesen gerade mal etwas mit dem Kopf zucken.
    Nun begann auch in seinen Augen dieses seltsame Feuer zu glimmen, das sich auch Celriels bemächtigt hatte.
    „Ich hab die Schnauze so was von voll von dir, verfluchtes Elfenweib!“
    Jetzt war es Cadan, der Celriel eine schallende Ohrfeige verpasste, woraufhin diese ein paar Meter zur Seite und ins Wasser flog.
    Sofort stand diese wieder auf, um sich mit einem wütenden Schrei auf den Menschen zu stürzen.
    „Mir reicht‘s jetzt mit dir!“ sagte Cadan und fing die auf ihn einstürmende mit einer Hand ab, indem er sie beim Hals packte und in die Luft hob.
    Der Griff des Hünen war fest wie der eines Schraubstocks. Und er begann, zuzudrücken. Celriel bekam keine Luft mehr. Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien, doch kam sie gegen diesen kräftigen Arm nicht an. Sie begann herumzutreten und traf den Riesen schließlich dort, wo es allen Männern am meisten weh tut.
    Der Griff löste sich, während Cadan sich vor Schmerz zusammenkrümmte, und Celriel fiel ins Wasser.

    Röchelnd wollte sie sich gerade aufrappeln, als der Kraken ärgerlich „Trinkt endlich!“ rufend auf sie zuschoss. Noch ehe die Elfe reagieren konnte, hatte sie etwas am Bein gepackt und zog sie hinaus, hinunter ins tiefe Wasser.

    Verzweifelt versuchte sie sich aus dem Griff des Tentakels zu befreien, sie drehte und wendete sich, versuchte, mit dem Schwert, das sie mittlerweile hatte ziehen können, auf das Tentakel einzuhacken, doch gelang es ihr nicht.
    Schließlich konnte sie die Luft nicht mehr anhalten, es presste sie ihr aus den Lungen und sie fühlte, wie das Wasser in sie eindrang. Sie verlor das Bewusstsein …
    Geändert von Waltikon (19.08.2017 um 11:39 Uhr)

  10. #160
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    „Diese Türe mag geöffnet sein, doch der Weg dahinter ist uns noch verschlossen. Wir benötigen noch etwas anderes…“
    Die Elfe schien nach einem Wort zu suchen, als sie sich wieder den drakonischen Runen zuwandte. Ihre filigranen Finger wanderten über die eingemeißelten Linien, welche die fremdartige Schrift formten.
    „Einen Schlüssel, doch für diesen Weg, nicht aber für diese Türe.“
    Vidar hob überrascht die Augenbrauen. Eine Erinnerung keimte bei ihm auf, doch so sehr er versuchte sie vor sein geistiges Auge zu bringen, blieb sie durch das Rad der Zeit verschleiert.
    „Was meinst du mit einem Schlüssel? Ein Zauber?“, fragte er.
    Alari schüttelte den Kopf, nachdem sie sich ihm zugewandt hatte.
    „Nein. Dieser Ort trägt einen schrecklichen Makel an sich, der jede Art von Magie bestraft. Ich bezweifle, dass das uns ans Ziel bringen wird“, sie machte eine Pause, in der sie tief einatmete, „Zudem spüre ich eine gefährliche Präsenz von außerordentlicher Macht. Sie kommt mir ungewöhnlich bekannt vor, aber ich weiß nicht woher. Ich fürchte das, was wir am Ende dieses Tempels finden werden. Wenn wir nicht weiter müssten, würde ich diesem Ort den Rücken kehren und nie wieder zurückkehren. Er wurde nicht für Besucher geschaffen, sondern um sie abzuhalten.“
    Die Magierin nickte zustimmend. Erst jetzt merkte Vidar, wie bleich die Magierin und die Elfe waren. Tatsächlich konnten sie mit ihrer magischen Begabung etwas ausmachen, was für ihn und die anderen unbekannt blieb. Dies musste sie zutiefst beunruhigen. Sogar Vidar begann sich bei dieser Realisation unwohler zu fühlen. Was lauerte noch in diesem Tempel, fragte er sich und merkte auf, als die Magierin anfing zu sprechen.
    „Ich weiß, was du meinst“, Aine räusperte sich gleich daraufhin, da ihre Stimme schwach klang, „Jede Faser meines Körpers drängt mich zu verschwinden. So weit wie möglich weg“, sie seufzte, „Doch wir müssen dieses Artefakt finden. Es führt kein Weg daran vorbei. Entweder das Artefakt oder der Tod durch Hafgans Männer.“
    Bei der Erwähnung von Hafgan, knirschte Vidar verärgert mit den Zähnen. Er ahnte einen Hinterhalt durch diesen Mann, aber nicht auf diese Art. Dieser Bastard wollte das Artefakt um jeden Preis. Vidar würde es ihm nicht freiwillig aushändigen. Nicht nach all den Jahren der verzweifelten Suche.
    Die Magierin schritt näher an den Durchgang, der dank der Elfe nun offenstand und in eine pechschwarze Dunkelheit gehüllt war. Zuerst glaubte Vidar, dass er sich täuschte ein stetiges Flüstern in der Schwärze zu hören. Doch nachdem er Aine davon abhalten wollte, dass sie weiter ging, vernahm er es deutlich. Es war ein Chor von Stimmen, die eine ihm unbekannte Sprache flüsterten. Auch wenn er das Gesprochene nicht verstehen konnte, so spürte er plötzlich den Drang zu den unsichtbaren Mündern zu folgen und in die pechschwarze Dunkelheit einzutauchen. Bevor einer von ihnen dazu kam, blockierte die Elfe den Weg.
    „Ich bitte euch“, sagte sie wie immer in sanften Ton, doch diesmal mit dem ernsten Nachdruck, der einer besorgten Mutter glich, „Die Schatten, die dort lauern, gieren nach unseren Leben. Was eure Ohren da vernehmen, sind Relikte aus einer lang vergangenen Zeit. Ich habe nicht erwartet sie je wieder zu sehen. Es erschüttert mich, dass sie immer noch existieren... Sie können die Finsternis nicht verlassen und wollen euch deswegen in jene locken. Wehrt euch gegen ihr Flüstern und wartet auf die Rückkehr unserer Gefährten.“
    Nach einem kurzen Zögern, entschloss sich die Vidar als auch die Magierin auf die Elfe zu hören und entfernten sich. Aine setzte sich auf einen flachen Felsbrocken, wo sie ihre Ellenbogen auf den Knien abstützte und ihren Kopf in ihre Hände legte, während sie in das Dunkeln starrte.
    „Möglicherweise befindet sich der Schlüssel auf einer anderen Ebene?“, sagte die Zauberin der Drah’Zil, welche bisher die Wunden ihrer Artgenossen versorgt hatte, „Dies könnte nur eine Falle sein und der richtige Weg befindet sich woanders?“
    Vor Vidars geistigem Auge löste sich plötzlich der Schleier und die Erinnerung kam mit einer Gewalt zurück, als wäre er wieder an jenem Steinkreis vor vielen Jahren und blickte in die durchdringenden Augen eines uralten Wesens.

    „Wie heißt du Mensch?“
    „Vidar.“
    „Nur Vidar? Kein Titel oder der Name deiner Vorfahren? Ihr Sterblichen erfreut euch doch an derartigen Dingen, damit sie euch einzigartig machen.“
    „Man nennt mich auch den Wanderer.“
    Andächtig nickte der Drache ihm zu.
    „Fürwahr, das bist du. Kein Mensch hat je diesen Ort betreten und, siehe da, hier stehst du. Wie dir sicherlich auffällt, bin ich beeindruckt…“, er zögerte für einen Moment, „Nein, das ist nicht richtig. Beeindrucken können mich die Sterblichen schon lange nicht mehr. Ich bin amüsiert, was du erreicht hast und aus diesem Grund verrate ich dir ein Geheimnis. Es wird dir helfen.“
    Sein Ausdruck veränderte sich schlagartig, als er weitersprach und Vidar so etwas wie Verbitterung erkennen konnte.
    „Mein Bruder Zarlandris tauchte tief in die Winde der Magie ein, denn sein Wissensdurst schien keine Grenzen zu haben. Zwar half seine kraftvolle Magie im Ersten Krieg, aber die Wesen, die er erschuf, um die Schlachten zu unseren Gunsten zu lenken, peinigen noch immer diese Welt“, seine glühenden Augen verengten sich, „Dies wird jedoch nie wieder geschehen. Deswegen rate ich dir, Mensch, hüte dich vor den flüsternden Schatten. Nur eine reingewaschene Seele kann sie durchschreiten und die Gefahr bannen.“


    Sie stand auf der Oberfläche eines grenzenlosen Sees. Das Wasser vibrierte unter ihren zögerlichen Schritten und warf kreisförmigen Wellen aus, die sich irgendwann verloren. Wohin Celriel auch blickte, konnte sie nur tiefe Schwärze erkennen und die unendliche Weite des Gewässers. Egal wohin sie rannte, es blieb alles gleich. Sie schaute auf ihre Hände und merkte, dass sie einen leuchtenden Schimmer hatten und sie selbst leicht durchsichtig zu sein schien. Das Letzte, an was sie sich erinnern konnte, war, dass sie vom Kraken unter Wasser gezogen worden und keine Luft mehr bekommen konnte. Wie vom Blitz getroffen, ergriff sie ein fürchterlicher Gedanke. Doch bevor sie die aufkeimende Panik einhüllte, hörte sie ein entferntes Schleifen von Metall. Sie unterdrückte die Angst vor ihrem endgültigen Schicksal und setzte sich zum Ziel dem Geräusch zu folgen. Lange schritt sie über das Wasser bis sie einen einzelnen Baum entdeckte. Der dürre Baum besaß keine Blätter und ragte kümmerlich aus dem See. An dessen Stamm lehnte ein Elf, der schweigend damit beschäftigt war, eine leicht gebogene Klinge zu schärfen. Sein Gesicht war von außerordentlicher Schönheit, sogar für einen Elfen und er war kräftiger, großer Statur. Sein langes blondes Haar war zu einem kunstvollen Zopf geflochten, der ihm über die linke Schulter hing. Offensichtlich war er ein Adliger, womöglich vom Königshaus, denn auch seine Schuppenrüstung zeigte eine hochwertige Qualität. Sein langes, schmales Gesicht begegnete Celriel nach einigen Augenschlägen, ohne dabei seine Arbeit ruhen zu lassen. Makellose Zähne deuteten ein Lächeln an, dann fing er an mit Celriel in seiner sanften Stimme zu sprechen.
    „Ich grüße euch, Schwester. Wie ich sehe, habt ihr euch an einen Ort gewagt, den ihr besser hättet meiden sollen.“
    „Ich… Ich grüße euch, Bruder. Wo bin ich und wer seid ihr?“
    Schließlich stoppte der Mann das Schleifen und verstauten den Stein in seiner Gürteltasche. Die Klinge blieb jedoch in seiner Hand.
    „Mein Name ist Roren Tyreinos. Wir befinden uns in einer Welt, fern von jeglichen Verständnis.“
    Celriel erschrak, als sie den Namen Tyreinos vernahm. Es war eine alte Adelsfamilie, die lange an der Seite des Königs war und diesen durch Rat, aber auch im Krieg durch Taten zur Seite stand. Bei Celriels Geburt waren sie schon längst nicht mehr existent, denn ein schweres Fieber, das selbst der beste Medikus nicht heilen konnte, löschte die gesamte Familie aus. Sie wusste nur durch Erzählungen, dass es sie überhaupt gegeben hatte.
    „Aber ihr seid tot. Eure Familie gibt es nicht mehr.“
    Eine Maske aus Trauer legte sich über das Gesicht des Elfen und ein tiefer Schmerz ließ sich erkennen, der Celriel sogar beim Anblick einen Stich versetzte.
    „Ich weiß. Meine Suche nach einer Rettung führte mich an diesen Ort, der jedoch auch mein Schicksal besiegelte“, er blickte auf die Klinge in seiner Hand, „Wie ist euer Name?“
    „Celriel Donothion.“
    Er lächelte sie wie ein Bruder an und verbeugte sich daraufhin elegant in der Art der Adligen.
    „Es schmerzt mich euch zu verkünden, dass diese Begegnung nur einer von uns beiden lebend verlassen wird. Diese Welt, in die ihr gezogen wurdet, hat seine eigenen Gesetze. Ich will nicht mit euch kämpfen, aber wenn ich je wieder an der Seite meiner Familie und Vorfahren stehen will, muss ich eurer Seele den Todesstoß versetzen, damit ihr meinen Platz einnehmt.“
    Der Elf nahm eine Kampfhaltung ein.
    „Kämpft wie ihr noch nie gekämpft habt, Schwester, denn vielleicht wird es euer letzter Kampf sein.“

    Geändert von coel (20.08.2017 um 15:05 Uhr)

  11. #161
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Der Tritt hatte echt gesessen und Cadan blieb für einen Moment die Luft weg. Er taumelte und sackte im seichten Wasser auf seine Knie. „Verfluchte Elfenschlampe!“, meckerte Cadan vor sich hin und rappelte sich langsam auf. Als er wieder stand, suchte er mit seinen Augen nach Ceriel, doch diese war verschwunden. „Komm raus du Miststück! Ich breche dir jeden deiner elfischen Knochen!“ Schrie er wutentbrannt, drehte sich dabei um die eigene Achse und schritt weiter in das Wasser. Nezlez ignorierte er vollkommen, er wollte nur an Ceriel heran. Was auch immer sie so aggressiv hatte werden lassen, nun war auch der Trolljäger davon befallen.
    „Trinkt!“
    „Halt die Klappe du elendige Missgeburt!“ Das war das letzte, was Cadan von sich geben konnte, denn eine der mächtige Tentakel schoss aus dem Wasser, packte Cadan blitzschnell bei den Beinen und zog ihn wie zuvor schon Ceriel weiter ins Wasser. Binnen weniger Sekunden war er untergetauchte und wurde immer weiter in die Tiefe gezogen, ohne das er sich hätte dagegen wehren können. Panik stieg in ihm auf, wie wild schlug er mit den Armen um sich, versuchte sich los zu zerren, wollte Luft holen doch da war nur Wasser, welches seine Lungen füllte. Um ihn rum wurde alles dunkler, während er panisch um sein Leben kämpfte. Irgendwann sah er nichts mehr, alles um ihn rum war schwarz und für einen kurzen Augenblick waren Cadans Gedanken wieder Glasklar.
    Er würde hier sterben.

    Doch wie aus dem nichts, spie das Wasser ihn aus, als wenn es den Trolljäger verabscheute, wie ein Kind das nicht essen wollte. Er landete im Dreck, Wasser drängte aus seiner Lunge und er musste sich fast Übergeben, begleitete von einem schmerzenden Husten und Röcheln. Doch er bekam wieder Luft. Endlich. Der Kampf mit dem Tot hatte Cadan erschreckend schnell vieles seiner Kraft gekostet und er brauchte erstmal ein paar Minuten, bis er sich erheben konnte. Er sah sich um, erwartete das er irgendwo in der Höhle lag, vielleicht am anderen Ende doch dem war nicht so. Er war ganz woanders. Er war an einem Strand, hinter ihm Wasser bis zum Horizont, vor ihm eine Steilküste und über ihm blauer Himmel, eine Sonne sah er allerdings nicht. Doch irgendwie war der Ort seltsam. Das Wasser bewegte sich nicht, es war absolut ruhig, der Sand war wie unangetastet und hatte weder Spuren von Menschen, Tieren noch sonst irgendwas. Kein Rauschen des Meeres, kein Pfeifen des Windes und kein Laut von der Tierwelt war zu vernehmen. Es war absolut still. Cadan blickte die Küste hinauf, selbst der Fels wirkte irgendwie eigenartig, so als wenn jemand eine Treppe in selbigen hineingeschlagen hätte. Als der Trolljäger nähertrat, sah er wirklich eine Treppe, die aus dem Stein selbst herausgeschlagen worden war. Da er nicht wusste was er hätte sonst tun sollen, entschloss er sich, die Treppe hinauf zu gehen und sich den Ort von oben an zu sehen, um so vielleicht heraus zu finden, wo er war. Als er die letzten Stufen erreicht hatte, stand er vor einer Burg – oder besser dem, was davon übrig war. Bis auf zwei halb zerfallene Türme und einer halben Außenmauer waren nur noch Grundrisse zu sehen. Vor einem der Türme, in unmittelbare Nähe einer Tür, loderte ein kleines Feuer. Ein Pferd stand unweit dessen an einem Pflock angebunden und hatten den Kopf auf das Gras gesenkt, um zu fressen.

    Die vor sich hin moderne Holztür wurde knarrend aufgeschoben und aus dem Turm kam eine Person ins Tageslicht getreten. Cadan musste genau hinsehen, um das verblichene und ziemlich ramponierte Wappen auf dem Brustpanzer zu erkennen, den der Mann als Teil seiner Rüstung trug. Doch er kannte es nicht. Der Mann war alt, sehr alt, so wie er aussah. Sein stoppliger Bart war gänzlich weiß, genau wie seine Haare, von denen nicht mehr sehr viele sein Haupt zierten. Ohne Cadan genau an zu sehen, fing er an mit ihm zu reden.
    „Bevor du fragst, ich weiß nicht, wo du bist, wo wir sind. Ich kenne diesen Ort genauso wenig wie du, und das wo ich doch schon eine Unendlichkeit hier verweile.“ Erst jetzt drehte er sich zu dem Hünen um, und ließ ein lächeln erkennen, welches eher an Mitleid erinnerte als an Fröhlichkeit.
    „Meine Chancen stehen wohl nicht so gut, wie ich sehe.“, meinte er dann und kratzte sich am Kinn.
    „Chancen wofür?“, fragte Cadan genervt.
    „Dich zu besiegen.“
    „Pah!“
    „Nun, es ist der einzige Weg, dem hier zu entkommen. Entweder ich besiege dich, und kehre zurück, oder aber ich werde hierbleiben und auf den nächsten warten.“, gab der alte Ritter ruhig von sich. Er wandte sich dann dem kleinen Feuer zu, welches er mit einigen größeren Ästen am Leben hielt.
    „Ich kam hier her, gesandt von meinem König, auf der Suche nach Unsterblichkeit.“, seufzte der Alte. „Gefunden habe ich jedoch nur diese triste Einöde.“
    „Jeder muss mal sterben, du auch, alter Mann.“
    „Oh ich bin gestorben – genau wie du. Und dennoch bin ich nicht tot.“
    „Wovon redest du? Die Einsamkeit raubt dir wohl auch dein Verstand?“
    „Mitnichten. Doch wir sollten beginnen. Diese Ewigkeit ist eine, die nicht zum Verweilen einlädt.“ Der Mann zog sein Schwert, wohingegen Cadan keine Waffe an sich trug. Die Streitaxt lag irgendwo auf dem Grund des unterirdischen Sees, in dem der Krake ihn gezogen hatte. Aber er würde den Kampf auch so gewinnen können, glaubte er.
    „Du solltest dir eine deiner Waffen nehmen, mein Freund.“, sagte ihm der alte Ritter und deutete mit dem Kopf hinter Cadan. „Es wäre sonst ein unfairer Kampf und ohne jede Ehre.“
    „Du bist alt und schwach, ich werde wohl kaum meine Mühe mit dir haben.“, gab der Trolljäger siegesgewiss von sich. Wenn der Alte einen Kampf haben wollte, wäre Cadan der letzte, der ihn dem verweigern würde. Auf die Ehre pfiff er, hier war eh niemand, der diesen Sieg besingen würde. Er würde sicher nicht sehr lange brauchen. Dennoch sah er kurz zu den Waffen. Es waren einfache Schwerter, nichts was ihm sonderlich zusagte. Schlussendlich Griff er dann doch zu einem der zahllosen Klingen

    Der Kampf begann, Cadan hatte sein Schwert fest in der rechten Hand, schritt auf den alten Ritter zu. Wie erwartet, versuchte der Alte zu parieren, was ihn auch überraschend gut gelang. Die Bewegungen des Ritters waren geschmeidiger, als Cadan erwartet hätte und wo er den Beinnamen Trollschlächter hatte, so konnte man den Ritter eher eine Katze nennen. Er wich mühelos aus, war sehr flink unterwegs und fing an, Cadan zu nerven. Doch attackieren konnte er den Hünen auch nicht, dafür war Cadan dann ein wenig zu schnell und außerdem, so dachte sich der Ritter, würde er einen Treffer mit voller Kraft nicht standhalten können. Cadan hingegen war überrascht über die Geschwindigkeit des alten Ritters, nicht gerade zum Positiven. Ihm dämmerte langsam, dass er es doch nicht so einfach haben würde, wie er sich das Gedacht hatte.
    „Nun, ich denke, wir können jetzt beginnen.“, sprach der Ritter und ging zum ersten Mal auf Cadan los. Jetzt zeigte sich, das Cadan ihn völlig unterschätzt hatte, denn die Attacken des Ritters konnte er nur mit Mühe parieren. Die Angriffe waren zwar bei weitem nicht so stark wie seine, doch dafür koordiniert, platziert und geschickt ausgeführt. Tiefe Streiche kombinierte er mit Hohen und seitlichen, wirbelte das Schwert über seinen Kopf und setzte eine Attacke nach der anderen und drängt den Trolljäger damit immer weiter zurück, ohne dass dieser auch nur an einen Gegenangriff denken konnte.
    „Was zum… wer bist du!“

  12. #162
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari legte den Kopf in einer vogelartig anmutenden Geste schräg, ehe sie auf die Drah'Zil antwortete. „Mit Lug und Trug muss stets gerechnet werden, doch es sei meine Ansicht, dass dies der richtige Weg ist.“ Ihre glühenden, smaragdfarbenen Augen wandten sich in Richtung des Ganges. „Zu gefährlich ist der Weg, zu unbekannt diese Gefahr für diejenigen, die sich dieser Tage 'gebildet' nennen. Nein, mein Gespür sagt mir, dass unser Ziel am Ende dieses Pfades liegt. Diese Finsternis war ein besonders bedauerliches Resultat des Krieges.“ Vor der Tür liess sie sich auf den staubigen Boden niedersinken, um sich dort im Schneidersitz ihren 'Gefährten' zugewandt hinzusetzen. Die erdrückenden Schatten direkt hinter ihr bildeten einen starken Kontrast zu ihrem flammenden Haar und mehr noch ihren leuchtenden Augen, wenngleich selbige hin und wieder an Leuchtstärke verloren. Und verloren war auch das Wort, dass die altertümliche Elfe selbst mehr als passend beschrieb, denn so, wie sie dort saß – erschöpft; jedoch unwillig, aufzugeben, wirkte sie einsam, fern von allem, wo man ein Geschöpf wie sie normalerweise vermuten würde.

    Doch das war nicht der Grund, warum sich die nächsten gesprochenen Worte an sie richteten. „Wenn du vom 'Krieg' sprichst... meinst du damit...?“ Alaris Blick ruckte hoch und huschte unstet umher, ehe sie ihn schliesslich auf Vidar ruhen liess, der die Frage wohl gestellt hatte. Sie brachte ein schwaches Lächeln zustande, das jedoch genauso schnell erstarb wie das Leuchten einer Kerze, der die Luft zum brennen fehlte. „Ich spreche von dem, was jetzt wohl als 'erster Krieg' in den Büchern der Geschichte beschaffen steht.“ Sie holte tief Luft, um diese nur langsam wieder entweichen zu lassen, als sich ihr Blick in unbestimmter Ferne verlor. „Kein Buch, keine Erzählung ist imstande, wirklich wieder zu geben, wie man sich damals gefühlt hat. Kampf war nichts unbekanntes, doch er hatte stets ein Ende, war begrenzt durch den Willen der Teilnehmer und den Willen der Götter. Doch dann... dann gerieten die Götter selbst in Konflikt miteinander. Jetzt waren die, die zuvor schlichten konnten, nicht mehr willens oder in der Lage, den Kampf zu beenden. Und gekämpft wurde. Jeden Tag wuchs dieses Gebilde, diese abscheuliche Kreatur, der wir den Namen 'Krieg' gaben, dieser Konflikt von unbekanntem Ausmaße. Jeden Tag wurde es schlimmer, jeden Tag starben mehr und mehr. Blühende Landstriche waren von Blut rot getränkt, und wo einst Harmonie herrschte, traute man nun kaum noch denen, die eine gemeinsame Geschichte oder Familie verband.“ Sie sah kurz scharf in Richtung der Drah'Zil, fast so, als ob ihre scharfen Ohren etwas aufgeschnappt hätten. „Fangt mir nicht von der Weichheit von den Nicht- Geschuppten an, denn selbst den Erstgeborenen war dies damals fremd und verstörend!“ Ihre Stimmung wechselte jedoch gleich wieder zur Melancholie, als ihr Blick sich wieder in den unendlichen Weiten der Erinnerung verlor. „Keiner wusste damals so recht mit der Situation umzugehen...“ murmelte sie noch vor sich hin. Unter den Blicken der Anderen begann sie, ein Lied anzustimmen, dass der wohl berühmteste Barde ihrer damaligen Zeit verfasst hatte – über eine Schlacht, an der sie teilgenommen hatte. Während ihr zweistimmiger Gesang die meisten Anwesenden bannte, hatten sie doch noch nie etwas derartig ätherisches und übersinnliches vernommen (auch, wenn sie sich zu keinem Zauberlied imstande sah, war selbst dieser Tempel jedoch nicht in der Lage, die Magie ihres Wesens vollständig zu bannen und ihr Augenlicht und Stimme zu nehmen); irrte ihr Geist zu jenen Begebenheiten zurück, von denen sie jetzt sang.

    „Euer Ehrwürden? Ihr werdet gebraucht. Jetzt!“ Alari, deren Hände noch blutbesudelt waren, wandte sich nur unwillig von dem im Sterben liegenden Elfen ab. Ein brutaler Hieb eines Orken hatte ihn tief im Bauch getroffen, was dazu führte, dass Blut und Leben in viel zu schnellem Tempo aus ihm heraus floss. Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen (sie hatte die letzten Tage kaum bis gar nicht geschlafen), sich nicht darum kümmernd, dass ihre Finger rote Spuren in ihrem Gesicht hinterliessen. „Ich kann sein Leben noch retten.“ meinte sie jedoch mit einer Stimme, die nichts von der ihr innewohnenden Autorität verloren hatte. „Rettet lieber das Leben von uns allen.“ Ein Blick in sein kreideweisses Gesicht liess jedwede Erwiderung verstummen, die ihr auf der Zunge lag, daher nickte sie nur und formte mit den Händen ein Segenszeichen vor der Brust des Sterbenden. „Möge der Wind dir stets den rechten Weg weisen.“ sprach sie die rituelle Formel, die er jedoch schon nicht mehr wahrnahm. Sie folgte dem Krieger aus dem Lazarettszelt, in dem sie sich die letzten Stunden aufgehalten hatte, und trat hinaus auf den Hügel, von dem man die Schlacht unter ihnen gut überblicken konnte. Als sie dem gerüsteten Elfen hinterher eilte, fiel ihr Blick auf die mannigfaltigen Gestalten weit unter ihnen, die dem Sturm der Kreaturen Noroshs gerade noch trotzen konnten. Sie sah, wie die Elfen der Weiherklang- Sippe ihre 'Kriegstänzer' an die Front geschickt hatten. Nur in leichten Lederrüstungen und mit den bunten Federn verschiedenster Vögel ausgestattet bildeten sie schon einen ungemein farbenfrohen und merkwürdigen Anblick, der durch die farbigen Stoffbänder und Tätowierungen an ihren Leibern nur noch verstärkt wurde. Doch niemand, der sie kämpfen sah, würde je darüber lachen, denn sie brauchten ihre Rüstungen nicht für den Kampf. So schnell und geschmeidig waren ihre Bewegungen, dass die feindlichen Hiebe sie nicht berühren konnten, es war, als könnten sie genauso gut versuchen, das Wasser eines Bachs mit ihren Schlägen zu spalten. Im Gegensatz dazu waren ihre Streiche und Stöße präzise und stets tödlich – wenig verwunderlich, bedachte man, dass nur altgediente Veteranen von gut 150 Jahren Waffenerfahrung auch nur die Zugangsprüfung ablegen durften, um in diese Einheit zu gelangen. Die Flanke der Kriegstänzer wurde von den 'Stahlschuppen' gedeckt, einem Banner von Drah'Zil, der hohen Drachin Asha zutiefst ergeben war. Ihnen fehlte die tödliche Anmut der Elfentänzer neben ihnen, doch was ihnen an Eleganz fehlte, machten sie durch widerstandsfähigkeit, Koordination und schiere Kraft wett. Jede Rüstung war dem Schuppenkleid der Hohen Drachin nachempfunden – blauschwarz getüncht bedeckten sie beinahe jeden Zoll ihres ohnehin durch ihre feste Haut und Schuppen geschützten Leibes. Selbst ihre langen Schwänze waren mit Segmenten aus Panzerplatten versehen, an deren Ende bösartig aussehende Dornen waren, die bereits allesamt von Orkblut getränkt waren. Speer, Säbel und Langschild waren die Waffen der 'Stahlschuppen', während es einzig und allein die Wildheit der Kinder Noroshs vermochte, ihre Linien auch nur für kurze Zeit zu durchbrechen.

    Zu ihrem Unglück gab es nur wenige Zwerge, die ihrem vereinten Heer beigetreten waren. Zu wenige, um auch nur eine Standarte zu bilden, jedoch genug, um ihre tödlichen Geschosse in die anstürmenden Horden von tobenden Feinden zu verschiessen oder die Befestigungen des Lagers auf ein Maß zu verstärken, welche ihnen bislang das Durchhalten ermöglicht hatte. Doch die fehlenden Schützen der Zwerge wurde durch ein Eliteregiment an Naga, den 'Tränen Nurvureems', ausgeglichen. Die Meeresbewohner konnten sich dank der Magie ihrer sie begleitenden Priester für längere Zeit an Land aufhalten, während sie sich zur Erholung in den nahen See am Lager zurück zogen. Sie führten Bögen, deren widerstandsfähiges Material nicht an der Oberfläche zu finden war und die höher waren als so mancher Mann, der im Heer diente. Die Pfeile, die sie verschossen, durchschlugen Schilde wie Rüstungen und sogar Barrikaden, wenn sie diese erst einmal richtig beharken konnten. Doch neben den genannten, namhaften Kriegern befanden sich auch viele verschiedene Freiwillige, Milizen und reguläre Soldaten auf dem Schlachtfeld, und unglücklicherweise schien es Masse zu sein, die diesen Kampf entscheiden sollte. Selbst eine starke Disziplin geriet ohne genügend Erfahrung im Waffenhandwerk nur allzu leicht ins Wanken, sollte man einem kampfwütigen Ork gegenüberstehen, und der rohen Kraft der Kinder Noroshs konnten ohnehin nur die Drah'Zil standhalten. Alaris Ohren schnappten die individuellen Gesänge der 'Kriegstänzer' aus, die mit jedem Streich eine neue Strophe dichteten und alle zusammen eine große Symphonie des Kampfes ergaben. Doch auch das rhythmische Stampfen der 'Stahlschuppen' war zu vernehmen, die präzisen Kommandos zum Stellungswechsel und die lauten Rufe, die einen Vorstoß der Ihren ankündigten. Von den Naga war vor Allem das Surren ihrer Bögen zu vernehmen – wie wütende, übergroße Hornissen schossen ihre Pfeile steil in den Himmel hinauf, ehe sie mit todbringender Wucht zu Boden rasten und das dortige Ziel zerschmetterten. Vor allem jedoch waren es Schreie, die zu vernehmen waren. Schreie der Verwundeten, Schreie der Angst, Schreie der Wut, Schreie berserkerhafter Rage; Schreie der Verzweiflung mischten sich mit Schreien der Klage, Befehle wurden gebrüllt, Flüche waren allgegenwärtig. All dies zusammen bildete eine Kakophonie ohrenbetäubenden Lärms, die man wohl nie wieder würde vergessen können.

    Ihr Blick ruckte nach vorne, als sie ihr Ziel erreichten. Hier fand sie einige andere Elfen vor – auf den zweiten Weg erkannte sie sämtliche Zaubersänger, die dem Heer beigetreten waren. „Die Schlacht steht kurz vor einer Niederlage. Wir versuchen einen letzten Vorstoß mit aller Kraft, um den Befehlshaber – 'Steinzahn' oder wie er sich auch immer schimpfen mag – auszuschalten. Damit geraten ihre Truppen hoffentlich in Unordnung, und wir haben die Chance, ihnen endlich einen schwerer Schlag zuzufügen.“ meinte der General, der sie dort erwartete, ohne Umschweife. Sofort wusste Alari, was zu tun war. Ihre Gesänge waren nicht in der Lage, ihren Feinden zu schaden – doch die Naga konnten es. Und die Elfen... sie vermochten es, das Heer womöglich noch einmal zu neuen Taten aufzustacheln, zu koordinieren und ihre Kräfte für einen letzten Schlag zu mobilisieren. Ein schneller Blick zur Mitte des Sees zeigte die erschöpften, aber zu Tode entschlossenen Naga- Magier, wie sie in der Mitte des Sees schwammen und ihre Energien für einen Zauber sammelten, der einem Artillerieschlag gleich kommen dürfte. Doch sie wandte ihre Aufmerksamkeit von ihnen ab und den ihr unterstellten Elfen zu. Sie würde die Vorsängerin sein, um sie würden sich die Winde sammeln, die sie riefen, und ihre Worte und Taten würden es sein, die die Truppen in die Richtungen wiesen, die der General befahl. Sie griff tief in sich, spürte sämtliche Kraft auf, die ihr durch die entbehrungsreichen letzten Tage noch geblieben waren, und erhob ihre beiden Stimmen zu einem lauten Lied. Mit jedem Augenblick stimmten mehr und mehr Elfen ein, bis ein ganzer Chor aus ätherisch schönen Stimmen ertönte, deren Herzstück sie selbst bildete. Mehr und mehr kam der Wind auf, umtoste sie und nahm schliesslich eine Intensität an, die ihre Gewandungen umherflattern liess. Mit wild um sich peitschendem Haar stand Alari im Zentrum des aufkommenden Sturmes, als sie die gerufenen Böen schliesslich in Richtung ihrer Truppen – ihrer Freunde, ihrer Verbündeten, ihren tapferen Mannen – sandte. Wo sich zuvor immer schneller Panik breit gemacht hatte, machte sich nun wieder Einheit und Zielstrebigkeit breit. Die Truppen mobilisierten ihre letzten Reserven, um ihren Feinden Paroli zu bieten, um den von ihnen verteidigten Boden zu halten und nicht mehr zurück zu weichen. Und während sie verteidigten, warteten sie. Warteten auf den Schlag, der ihrer aller Geschick wenden sollte. Doch während sie warteten, wurde es immer anstrengender, das Lied weiter zu singen. Manche Stimmen gerieten ins Stocken, manche verloren den Takt, manche fanden einfach nicht mehr die Kraft, um in gleichbleibender Intensität zu singen. Einer kippte sogar um und blieb reglos liegen, ohne das sie etwas tun konnten, was das Lied unterbrechen würde. Gerade, als die Winde unter ihrer Stimme zu zittern begann, hatten die Naga jedoch ihren Beitrag beendet. Mit einem tiefen Grollen türmten sich schwarze Wolken am Himmel, breiteten sich aus wie Tinte, die in ein en Kelch Wasser getropft wurde. Und mit einem Schlag brach der Sturm los. Hagelkörner so groß wie eine geballte Zwergenfaust schossen in einem Todbringenden Schwarm auf die feindlichen Linien herab, während Blitze über den Himmel zuckten und so schwere Regenböen das Land unter sich malträtierten, dass man kaum noch Atem holen konnten. Doch das eigentliche Kunststück war nicht die schiere Wucht des Sturmes – es war die Begrenzung derselbigen. Denn wie Alari erkannte, war ein Korridor entstanden – ein Korridor, in dem die verbündeten Truppen zum Herz des feindlichen Heeres vorstoßen konnten, welches noch unter der Gewalt des plötzlich entstandenen Sturmes litt. Sofort legten die Zaubersänger unter ihrer Stimme neue Kraft in ihren Gesang, denn jetzt hatte sich eine Chance offenbart, die man nutzen konnte.

    Die Elite stürmte vor, um sich einen Weg zu bahnen. Kriegstänzer wirbelten zwischen Stahlschuppen umher, während sich die Reste beider Einheiten zu einem Speer formierten, der geradewegs auf ihr Ziel – den feindlichen Kriegsfürsten – zustieß. Die Naga konzentrierten sämtlichen Beschuss auf die Orks, die sich im Weg des letzten, verzweifelten Vorstoßes befanden. Alles sah so aus, als würde sich das Blatt endlich wenden – als der Sturm erstarb. Im gleichen Moment verließ auch die Mehrheit der Zaubersänger die Kraft, und mit einem weithin hallenden Missklang brach es ab. Die malträtierten Zauberkundigen der Naga hatten ihr Leben gegeben, um diesen Zauber zu wirken, doch letzten Endes hatte er zu viel Energie verschlungen, und sie hatten für dieses Wirken mit dem höchsten Preis zahlen müssen. Nun waren es ihre Truppen, die sich in einer höchst unglücklichen Lage befanden, und die Orks nutzten diese Chance gnadenlos. Doch noch ehe Alari fassungslos realisieren konnte, dass die Schlacht nun verloren war – dass sie alle hier sterben würden – drang ein Geräusch an ihre Ohren, was sie zweifelsohne identifizieren konnte. Ein Geräusch, dass sie mehr fürchtete als alles andere, aber im gleichen Atemzug unendlich dankbar dafür war. Sie lauschte dem Zorn eines Hohen Drachen. Als Kavalanoth auf der Erde aufkam, brach diese auf, als würde ein Hammer auf sprödes Holz niederfahren. Ein ohrenbetäubender Schrei löste sich aus dem Maul des Drachen, der Alari selbst in dieser Entfernung zum Herzen der Schlacht noch in die Knie zwang. Die umstehenden Orks wurden ungleich stärker betroffen. Wen sein Ankommen, welches ohnehin mehr an den Aufschlag eines Meteoriten denn als die Landung eines Lebewesens erinnert hatte, noch nicht umgebracht wurde, der wurde durch die schiere Intensität und Wut seiner Stimme zu Boden geworfen und wand sich dort unter Schmerzen. Als der Schrei verebbte, vibrierte die Luft selbst, während sich jedes empfindungsfähige Geschöpf den zum Bersten gefüllten Schädel hielt. Als der Drache tief Atem holte, griff Alari noch ein letztes Mal in sich, um Magie zu wirken. „FLIEHT! RETTET EUCH!“ schrie sie den Truppen zu, deren Trommelfell noch nicht geplatzt war. Und tatsächlich versuchten die Überlebenden ihres Heeres, sich zu ihnen zurück zu ziehen, denn die Orken standen jetzt einem anderen Gegner gegenüber. Einem Gegner, gegen den es keinen Sieg geben konnte; einem Wesen, dessen Wut zu leicht auch unter ihnen Opfer finden konnte. Funken tanzten wie ein Schwarm leuchtkräftiger Glüchwürmchen um das Maul Kavalanoths, als er mit einem Mal seinen feurigen Atem den Orken vor sich entgegen spie. Wer das Feuer direkt berührte, hatte am meisten Glück, denn so schnell schmolzen Fleisch und Rüstung zu einer schlackegleichen Einheit, dass sie keinen Schmerz spürte. Wer das Feuer nicht direkt abbekam, hatte weniger viel Glück, denn in der Umgebung der Flammen entzündete sich alles durch die schiere Hitze des Urfeuers, welches der Hohe Drache ihnen zornig entgegen gespien hatte. Hunderte Orks brannten innerhalb eines einzigen Augenblicks lichterloh wie Fackeln, als einer der Erstgeborenen Eremons, einer der hohen Sieben, den Kopf wand und immer größere Teile des feindlichen Heeres mit seinem Feuer überzog. Innerhalb weniger Herzschläge war das Feld wie leer gefegt – die wenigen verkohlten Leichen, die verblieben waren, verschwanden nun im Erdreich, denn dieses war durch die Hitze der Flammen geschmolzen und blubberte grausig vor sich hin, als der Stein blasen warf und alles, was übrig geblieben war, gierig in sich verschlang. Das Heer, das der hier versammelten vereinten Streitmacht verschiedenster Rassen hunderte Verluste zugefügt hatte, floh wie ein Mann vor der Naturgewalt, die sich in ihre Mitte begeben hatte und ihren Tod einforderte. Da sich in seiner unmittelbaren Umgebung keine Feinde mehr befanden, konnte auch Alari wagen, den Blick wieder auf das Geschehen zu richten, denn hätte sie in die Flammen gesehen, sie wäre erblindet. So spürte sie noch den Druck, als sich der Hohe Drache mit mächtigen Flügelschlägen in den rauchgesäumten Himmel erhob, während ihm sein brennender Zorn wie eine Rauchwolke folgte, die selbst auf diese Distanz ihre Haut zum Kribbeln brachte und sie erschöpft, atemlos und ängstlich zurück liess. Die Schlacht war gewonnen – doch die Opfer, die sich auf ihrer Seite auftürmten, waren zu gewaltig, als das sie sich wirklich über diesen 'Sieg' freuen konnte.


    Als ihre letzte Strophe endete, öffnete sie auch wieder ihre Augen. Sie spürte die Blicke ihrer Anwesenden auf sich, denn was geschehen war, war ihnen so präsent geworden, als wären sie in Persona da gewesen. Manch einer würde auch Bilder gesehen haben, manch anderer Sinneseindrücke wie etwa der Geruch des verbrannten Bodens. All dies war möglich, weil es weniger Magie war, welche sie gewirkt hatte, als vielmehr 'nur' elfischer Gesang – elfischer Gesang, wie er einmal gewesen war und wie er immer noch hätte sein sollen. Das erste Mal würden die Anwesenden einen Eindruck bekommen haben, wie stark sich doch Alari von den heutigen Elfen unterschied. Die aufkommende Stille durchbrach erneut ihre Stimme, dieses Mal jedoch, um einige letzte Sätze zu ihrer Geschichte hinzuzufügen. „In dem Maße, in dem die Verzweiflung im Laufe des Krieges wuchs, wuchs auch die Gewalt. Was zuvor undenkbar gewesen war, Tabu gar, war plötzlich erlaubt, konnte man damit nur seine nächsten schützen, und den Rest konnten ja die Krähen holen. Viel zu wenige gab es, die noch versuchten zu vermitteln, denn mit jedem Gefallenen wollte man eines mehr: Rache. Vielleicht war es das, was dann auch die hohen Alten, die Erstgeborenen, schlussendlich so zum Handeln trieb, wie manche es dann taten. Zumindest sprach Fandrasâr immer seltener davon, mit seinen Brüdern und Schwestern zu agieren; sondern handelte lieber nach eigenem Gutdünken.“ Unwillkürlich klammerten sich ihre Hände um ihre Knie, sogen die Beine näher an den Leib, als sie ihren trockenen Lippen mit der Zunge befeuchtete. „Die Magie der Erstgeborenen ist kein Vergleich zu dem, was Sterbliche – selbst wir Elfen zu unserer Glanzzeit oder die Naga auf dem Höhepunkt ihrer Macht – zu erreichen vermochten. Und je größer die Veränderungen waren, die sie erwirkten, desto größer waren auch die Spuren, die zurück gelassen wurden. Viele Übel, die die Welt heute plagen, sind durch jenen Krieg und dem magischen Wirken darin entstanden.“ Sie liess den Kopf hängen. „Es war einfach zu viel, was auf einmal geschah. Zu viele Schäden, als das nicht Narben im Gefüge der Welt verblieben wären.“ Sie sah über ihre Schulter, sah in die tiefe Schwärze hinter ihr, die auch sie lockten, mit Worten und Lauten, die die Saiten ihres Herzen zum klingen brachten. „Und ich fürchte, solche Schrecken sind uns so viel näher, als wir glauben...“ hauchte sie so leise, dass man sich schon sehr anstrengen musste, um ihre Worte zu vernehmen.
    Geändert von Rosered_Strauss (27.08.2017 um 10:27 Uhr)

  13. #163
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    "Hahahahaha! Das kommt davon! Leide!" Enorm Schadenfroh, selbst für ihre Verhältnisse lachte Nezlez, als Celriel ins Wasser getaucht wurde - nur um durch diesen Unachtsamen Moment selbst gegriffen zu werden. "NEEEIN" kreischte sie, "Loslassen du - blblblrbrb" ihre Worte wurden zu einem unverständlichen Geblubber, als sie ebenfalls in das mysteriöse Wasser getaucht wurde. Der Tentakelarm war fest um ihre schmale Hüfte geklammert, sie kratzte und trat wild um sich, aber ohne Erfolg. Du widerliche Missgestalt denkst wohl ich werde hier sterben?! Vergiss es! Nicht ich! Nicht die mächtige Nezlez Tintentick! Die Bewegungsunfähigkeit unter Wasser bereitete ihr Furcht, aber gleichsam empfand sie eine große Wut. Mit aller Kraft stieß sie ihre spitzen Zähne in den Tentakel, er zuckte aber wollte seinen Griff einfach nicht lockern.
    Mehr noch, durch den Biss war eine Menge Wasser in ihren Mund gekommen. Nezlez würde ertrinken. Die Welt um sie herum begann zu verschwimmen, zu verblassen.

    Und dann klarte ihr Blick wieder auf, als wäre sie kurz eingeschlafen - und an einem anderen Ort aufgewacht. Denn nichts was sie nun sah, erinnerte sie an die Höhle, in der sie doch gerade eben noch gewesen war. Ihre Hände ruhten auf kargem, hellen Stein. Sie fröstelte und hatte eine Gänsehaut, denn ein eisiger Wind peitschte hier oben. Oben, denn sie war auf einem hohen Berg. Es lag kein Schnee, aber Vegetation gab es hier dennoch kaum. Vereinzelt ragte ein Kraut oder Gras aus dem Stein. Schnell krabbelte sie nach vorne, als sie bemerkte, dass sie direkt an einer Klippe kniete. Sie war auf einem Felsvorsprung an einem hohen Berg. Um sie herum sah sie weitere Berge, aber ihr Blick ging nicht sehr weit, als hätte ein Gott angefangen eine Welt zu erbauen, und hätte es sich plötzlich anders überlegt.

    Ein Stampfen sorgte für ihre soforte Aufmerksamkeit. Ein muskulöser Riese landete auf dem Felsvorsprung. Als er sich aufrichtete, stellte Nezlez fest, dass es sich nicht wirklich um einen Riesen, sondern um einen großen Ork handelte. Aber kein Wunder, selbst für Ork-Verhältnisse war seine Statur gigantisch. Instinktiv griff Nezlez an ihren Gürtel und stellte zu ihrer positiven Überraschung fest, dort tatsächlich Messer und einen Dolch vorzufinden. Hatte sie nicht all ihre Waffen verloren? Der Ork stand noch einige Meter von ihr entfernt, kalt und bösartig starrte er auf sie herab. "Nach Hause. Tazgosh geht nach Hause."
    "Na schön 'Tazgosh', ich halte dich sicher nicht auf, also verzieh dich." antwortet Nezlez frech. Vielleicht sollte ich ihm folgen. Wo auch immer ich hier bin und wie ich hier hergekommen bin, hier ist es kalt und ich wette Schätze gibt es hier auch keine.
    Tazgosh schüttelte den Kopf. Als hätte er ihre Gedanken gelesen sprach er mit seiner tiefen Stimme: "ICH gehe. Und DU bleibst." Nezlez sah, wie sein linker Arm zur Axt an seiner Hüfte wanderte. Ein Messer schoss nach vorne. "Ngh..!" Es versenkte sich in jenen linken Arm, Blut spritzte. Sie hatte nur darauf gewartet. "Du dachtest doch nicht ernsthaft ich warte bis du lahmer Sack bereit bist". Sie grinste. Aber der Ork verzog nur kurz die Miene. Den linken Arm bewegte er, fast als wäre nichts passiert. Dennoch nahm er die Axt nun mit der rechten Hand. "Hm. Bin ohnehin Rechtshänder." "Kein Problem!" schrie Nez, und war das nächste Messer zielsicher in richtung Tazgoshs rechten Armes. Doch diesmal war er gewappnet, und parierte es gekonnt mit dem Axtblatt. "Jämmerliche Gobbos." Dann stapfte er bedrohlich in ihre Richtung.
    Geändert von Fruwluamressaw (30.08.2017 um 23:33 Uhr)

  14. #164
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    Bedächtig zog Celriel ihr Schwert, ohne ihr kampfbereites Gegenüber aus den Augen zu lassen. Ihr Gegenüber, das war ein Elf. Aber nicht irgendeiner, nein, einer aus einer berühmten Familie - und schon lange tot.
    Nein, so ganz hatte Sie noch nicht begriffen, was ihr eigentlich passiert war, aber eines, das hatte sie verstanden:
    Um von hier zu entkommen, musste sie ihn besiegen.
    Seiner Seele den Todesstoß versetzen, wie er es ausgedrückt hatte.
    Ihn töten.
    Einen Elf.
    Einen Bruder!

    „Es schmerzt mich, gegen einen Bruder das Schwert erheben zu müssen, …“ begann Celriel.
    „Dann lasst es!“ Roren unterbrach sie mit einer blitzschnellen, frontalen Attacke.
    Diese kam für Celriel allerdings nicht unerwartet. Geschickt war sie zur Seite ausgewichen, hatte dabei das Schwert endgültig aus der Scheide gezogen und sogleich einen flachen Hieb ausgeführt, den Tyreinos jedoch problemlos parierte.

    Beide waren sie in die Ausgangsstellung zurückgekehrt.
    Ein Lächeln huschte ihm über das Gesicht. „Das verspricht interessanter zu werden als ich dachte!“
    „Und ich dachte, ich könnte euch zu Tode langweilen.“ konterte Celriel sarkastisch.
    Er musste herzhaft lachen.
    „Und schlagfertig ist sie auch noch! Herrlich, nach dieser trübseligen Ewigkeit!“
    „Dann saugt jeden kostbaren Augenblick davon auf – denn Ihr müsst noch lange davon zehren!“
    Mit einem Ausfallschritt und wirbelndem Schwert preschte Celriel vor, doch Roren parierte auch diese Attacke problemlos.
    Seiner Parade ließ er sogleich einen schnellen Hieb folgen, den Celriel ebenfalls parierte.
    Der Kampf wog hin und her. Schlag, Parade, Schlag, Schritt vor, Schritt zurück, zur Seite …

    Einem Beobachter – wenn es denn einen gäbe – würde das ganze eher wie ein Wettkampf im Säbelfechten anmuten, und doch ging es um nicht weniger als um die Rettung der Seele oder ihrer Verdammnis.

    Nach einer Weile wurden Celriel zwei Dinge klar:
    Erstens: So lange der Kampf auch dauerte, ihre Kräfte schwanden nicht.
    Zweitens: Keinem von beiden gelang bisher auch nur ein einziger Treffer.

    Waren sie sich tatsächlich derart ebenbürtig? Oder spielte Roren nur mit ihr?

    Die Antwort ließ nicht mehr lange auf sich warten.
    „So unterhaltsam unser Scharmützel hier auch ist, so fürchte ich, muss ich es nun beenden.“
    Roren löste sich in einer Art Rauchwolke auf.
    Während Celriel noch ungläubig auf die Stelle starrte, an der eben noch ihr Kontrahent gestanden hatte, erschien dieser aus einer plötzlich hinter ihr auftauchenden Rauchwolke und führte einen Schlag von oben.
    Sie konnte gerade noch zur Seite hechten, aber der Hieb hatte sie doch noch am Oberarm erwischt.
    Wo nun normalerweise eine blutende Wunde klaffen sollte, war da einfach – nichts!
    Es sah aus, als wäre aus ihrem – wie ihr erst jetzt wieder auffiel – leicht durchsichtigen Körper einfach ein Stück herausgebrochen. Das Ganze sah aus, als würde in einem Bild einfach etwas fehlen.

    „Es tut mir leid, Schwester. “
    Celriel schaute irritiert in das nun verhärtete Gesicht des jungen Tyreinos.
    „Aber meine Familie wartet auf mich.“
    Wieder und wieder löste er sich in Rauch auf, nur um sie gleich darauf aus dem Nichts kommend zu attackieren. Immer wieder entkam sie nur knapp seinen Angriffen, doch schlug er mehr und mehr Splitter aus ihr heraus.

    Konzentriere dich! Mahnte sie sich selbst, und in der Tat war ihr etwas aufgefallen:
    Ein schwacher Luftzug, kurz vor seinem Erscheinen.
    Und noch etwas hatte sie bemerkt:
    Er schlug bei diesen Angriffen immer von oben.
    Sich darauf konzentrierend, schaffte sie es nun besser, seinen Attacken auszuweichen und sie zu parieren.
    Doch auf Dauer würde sie das gegen ihn nicht durchhalten.
    Sie musste selbst angreifen, das Risiko, zu unterliegen, eingehen.

    Luftzug links!
    Geändert von Waltikon (16.09.2017 um 19:15 Uhr)

  15. #165
    Siedler Avatar von coel
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    Die grauenhafte Schlacht hatte ein Ende gefunden. Obwohl es ein Sieg war, so fühlte er sich für keinen als ein solcher an. Noch immer waren die Soldaten damit beschäftigt ihre gefallenen Kameraden zu bergen, damit ihre Körper nicht von Aasfressern geschändet werden konnten. In der Ferne konnte Alari erkennen, dass man bereits die Berge aus Grünhautleichen angezündet hatte und schon bald würde sie das verbrannte Fleisch riechen. Angewidert von diesem Gedanken wandte sie sich ab und ging wieder in das Zelt, welches für ein wenig frische Luft verlassen hatte. Sie war müde und wollte endlich die ersehnte Ruhe finden, doch wollte sie bei beim Gespräch dabei sein, welches nun wieder einen neuen Anfang wagte.
    Girathon, dessen Äußeres wie polierter Marmor wirkte und doch die Härte von Granit besaß, schien zu bröckeln und man sah ihm seinen Unmut an. Der Elfenkrieger erlaubte sich nie derartige Emotionen zu zeigen, denn er musste ein unerschütterliches Bild für seine Soldaten abgeben, um der Anker ihrer Moral zu sein. Doch jetzt sah Alari einen Mann, der für einen Moment sich dem hingab, was er sonst gewaltsam unterdrückte. Seine kräftige Stimme, die normalerweise Befehle über das Schlachtfeld brüllte, blieb jedoch ruhig, als er anfing zu sprechen.
    „Ich sehe immer noch keinen Grund, warum wir weitermarschieren sollten. Wir haben horrende Verluste. Ishinari und ihre Nagakriegerinnen sind alle tot. Die Kriegstänzer sind kaum noch existent und der größte Teil unserer Armee ist verwundet. Nicht zu vergessen, leiden wir bereits unter Vorratsmangel“, er schüttelte entschieden den Kopf, „Wir werden hier auf unsere Verbündeten warten, bevor wir beim Pass einer weiteren Gefahr begegnen.“
    Alari warf einen Blick auf die ausgebreitete Karte, welche auf dem Eichentisch zwischen Weinkrügen und Wasserkaraffen inmitten des Zeltes lag. Der Plan war es den Gebirgspass zu erreichen und dort Stellung zu beziehen, bis die Verstärkung sie eingeholt hatte. Allerdings hatte niemand mit einer Armee gerechnet, die das verhindern wollte.
    „Den Pass können wir mit unseren Truppen halten, aber falls die Grünhäute uns wieder auf dieser Ebene angreifen, werden wir abgeschlachtet!“
    Thalim Eisenfaust drückte seinen Zeigefinger auf ihre jetzige Position auf der Karte, um seine Worte zu unterstreichen.
    „Girathon, wir Zwerge können den Pass verstärken, selbst mit dem wenigen, was wir haben! Vertraut uns!“
    Der Elf hob seine Augenbrauen in gespielter Überraschung. In diesem Moment, ahnte Alari, dass Girathon seine Zunge nicht mehr im Zaum halten konnte. Ihre Befürchtung bewahrheitete sich.
    „Ihr Zwerge könnt nicht einmal eure eigenen Städte halten, wie sollen wir dann erst diesen Pass verteidigen?“, gab der Elfenkrieger als spöttische Antwort zurück.
    Alari zuckte zusammen, als die schinkengroße Faust des Zwerges zornig auf dem Eichentisch knallte und dabei einige der Krüge umwarf.
    „Ihr wagt es!“, das Gesicht von Thalim war so plötzlich so leuchtend rot geworden wie glühende Kohlen, „Ihr hochnäsiger Elf wagt es, mein Volk derart zu beleidigen?! Wisst ihr eigentlich, dass wir die volle Wucht der Invasion ertragen und trotzdem noch eure Fronten unterstützen? Ihr Spitzohren solltet euch nicht in euren gläsernen Palästen verstecken und stattdessen kämpfen!“
    Die Augen des Anführers der Elfentruppen verengten sich zu bedrohlichen Schlitzen. Gerade wollte er wieder seinen Mund öffnen, um darauf etwas zu entgegnen, doch eine Stimme, die Alari wie ein kunstvoller Klang eines Harfenspiels gleichkam, unterbrach Girathon.
    „Wir alle bedauern unsere Gefallenen. Der Krieg lastet schwer auf unseren Schultern. Doch, meine treuen Gefährten, dürfen wir nicht nachgeben.“
    Alari musterte die Frau, deren Schönheit sogar unter den Elfen besungen wurde und Vertretern der anderen Rassen vor Neid erblassen ließ. Die oberste Hochmagierin in der elfischen Hauptstadt war eine eindrucksvolle Gestalt. Sie war das genaue Gegenteil von Girathon. Am besten konnte sie den Unterschied an ihren Waffen erkennen. Der Elfenkrieger führte einen Zweihänder, mit dem er durch die Grünhäute schlug und dabei nur Tod hinterließ, während Yvraine einen unvergleichlichen Kristallstab schwang, der ihr half aufwendige Zauber zu weben, um daraufhin schrecklichen Tribut unter den Feinden zu fordern. Sie war schlank, hochgewachsen und unbeschreiblich schön. Ihre Alabasterhaut zeigte keinen einzigen Makel und ihre großen, saphirblauen Augen strahlten im Schein der Fackeln. Ihr mandelförmiges Gesicht mit den für Elfen hohen Kieferknochen besaß keinerlei Anzeichen von ihrem fortgeschrittenen Alter. Ihre vollen Lippen formten ein Lächeln, welches wie die Sänge von Alari beruhigend wirkte und die Anspannung im Zelt etwas löste.
    „Schenkt mir einen Augenblick eurer kostbaren Zeit“, sagte sie und schaute dabei Girathon und Thalim eingehend an.
    Der Zwerg murmelte etwas Unverständliches in seinen langen Bart, verschränkte jedoch seine Arme und wartete. Girathon wich dem Blick von der Hochmagierin aus und hob einen der Weinkrüge vom Tisch, aus dem er einen tiefen Schluck nahm. Zufrieden mit den Reaktionen der Beiden setzte sie ihre Rede fort.
    „Es gibt einen Weg, wie wir den Pass trotz unserer wenigen Mittel verteidigen können.“
    Khairnos, der Vertreter der Drah’Zil, ein schweigsamer, rotschuppiger Riese, der beinahe am ganzen Körper Narben zu besitzen schien, sprach seine ersten Worte, seit sie sich in dem Zelt getroffen hatten.
    „Ihr redet sicherlich von irgendeinem magischen Feuerwerk, nehme ich an?“
    Es war allgemein bekannt, dass der Anführer der Stahlschuppen kein begeisterter Anhänger der magischen Künste war und lieber seinem Schwert vertraute. Den offensichtlichen Hohn ignorierend, erklärte Yvraine ihr Vorhaben.
    „Der große Zarlandris, mögen die Götter über ihn wachen, gab mir etwas, womit wir womöglich eine Chance hätten.“
    Nach der Erwähnung eines Mitglieds der Großen Drachen erlangte sie sofort die gesamte Aufmerksamkeit der Versammelten. Den zweiköpfigen Drachen hatte Alari nur sehr selten gesehen, denn er hielt sich normalerweise im Hintergrund.
    „Ist es ein Zerstörungszauber?“, fragte Thalim, „Oder eine Beschwörung.“
    „Ihr habt richtig angenommen. Eine Beschwörung von Wesen, die Zarlandris zu unserer Unterstützung erschaffen hat.“
    „Hat seine Kreation auch einen Namen?“
    Die Elfe schüttelte den Kopf.
    „Er reichte es mir vor meiner Abreise und sagte sie mir, dass er noch keinen Namen dafür gefunden hatte. Man könnte sie jedoch als Schatten beschreiben“, sie lächelte und entblößte dabei ihre perlweißen Zähne, doch dieses Mal fühlte Alari einen kalten Schauer an ihrem Rücken entlanglaufen, „Tödliche Schatten.“



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