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  1. #1
    Siedler Avatar von coel
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    Standard Die Tore von Udur - Entkommen


    „Haltet die Linie!“
    Gerade wollte sich Aine zu dem Ritter auf dem Pferd umdrehen, da konnte sie bereits im Augenwinkel erkennen, wie ein orkischer Pfeil durch sein rechtes Auge drang und ihn wie einen nassen Sack vom aufbäumenden Pferd fallen ließ. Sie stand inmitten eines Chaos aus Schweiß, Blut, Angst und Zorn. Überall wurde gekämpft und es schien kein Ende zu nehmen. Die strukturierten Aufstellungen der Fürsten zu Beginn der Schlacht waren zu einem wilden Massaker zerfallen, wo jeder Soldat ums Überleben kämpfte. Die grobschlächtigen Orks mochten keinen Sinn für Ordnung haben, doch nun, wo die Linien zusammengebrochen waren, zeigten sie ihre wahre Stärke.
    Sie sah fassungslos mit an, wie Ceridwen, eine ihrer besten Soldaten, vor Schmerzen, Verzweiflung und Wut kreischte, als ein Troll ihr ohne große Anstrengung einen Arm abriss und diesen in sein hungriges Maul stopfte. Neben ihr wurde einem Mann das Schild aus der Hand geschlagen, nur um daraufhin durch die herabfallende Axt, die seinen Kopf beinahe vom Körper trennte, zu sterben. Eine Ritterin schrie markerschütternd auf, als eine Grünhaut seine Hauer in ihr Gesicht grub und Fleischfetzen brutal herausriss. Ein rasender Berserker der Orks, der eine furchterregende Masse aus Muskeln und Narben war, mähte sich mit gewaltigen Hieben durch Freund wie Feind. Für ihn gab es nur das Blutvergießen und er brüllte seine Freude am Wahnsinn um ihn herum in den grauen, wolkenverhangenen Himmel.
    In dem Moment, wo ein weiterer Unglücklicher unter seinem groben, schartigen Zweihänder zerteilt wurde, bemerkte er Aine, die ihn mit ihren azurblauen, vor Furcht geweiteten Augen anstarrte. Sie wusste nicht, ob er das an einer Kette befestigte, goldbeschlagenen Buch an ihrer Hüfte bemerkt hatte, denn dieses zeichnete sie als Magierin aus, was sie sozusagen als eine Gefahr darstellte, die man so schnell wie möglich vernichten sollte oder aber für eine Herausforderung, der man sich stellen wollte.
    Der Ork schien ihr mit seinem Blick jedoch nur eines zu sagen.
    Sie abschlachten und das so grausam wie nur möglich.
    Er beschleunigte seinen Schritt und wuchtete auf seinem Weg zu ihr jeglichen Angreifer beiseite, ohne dabei auf die Verletzungen zu achten, die er dabei einstecken musste. Sein Ziel war eindeutig Aine und niemand würde ihn daran hindern. Endlich konnte sich Aine aus der Schockstarre befreien. Hastig formte sie mit ihren Händen eine Kugel, während sie sich konzentrierte und ihre ganze Energie auf das Innere der Kugel fokussierte. Ein immer größer werdender Feuerball loderte in ihren Händen und nach kurzer Zeit konnte sie diesen gegen den anstürmenden Ork werfen. Doch wie es die Götter wollten, trat der falsche Ork in den lodernden Ball und wurde von diesem komplett eingehüllt. Man behauptet, dass Orks keinen Schmerz empfinden können, doch dieser schrie qualvoll, als sein Fleisch verbrannte und seine Augäpfel aufgrund der sengenden Hitze wie faule Eier platzten. Mit einem Fluch auf den Lippen warf Aine einen weiteren Feuerball, aber auch dieser sollte sein Ziel verfehlen. Zu Aines Verwunderung hatte sich der Ork eines Schutzschildes bedient. Den kreischenden Menschen, der nun lichterloh in Flammen stand, warf er zufrieden grunzend beiseite, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Ein Donnern durchdrang das Schlachtfeld und deutete auf einen kommenden Sturm.
    Aine fühlte, als würde es ihr Ende ankündigen.
    In den wenigen Augenschlägen, die vergangen waren, stand der Ork nun bedrohlich vor ihr. Mit einem kraftvollen Sprung stürzte er sich auf Aine, die gerade noch dem tödlichen Hieb ausweichen konnte. Blutdurchtränkter Schlamm spritzte in alle Richtungen, wo die schwere Klinge tief in den Boden gewuchtet worden war. Wütend über den verfehlten Schlag grölte der Ork auf und spannte seine Muskeln kurz an, um sein Schwert aus dem Morast zu reißen. Aine lag zwischen zwei menschlichen Leichen, unfähig sich aufzurichten. Ihre Augen wollten sich nicht von dem von Blut und Schweiß glänzenden Ork abwenden, der seinen Zweihänder zum endgültigen Schlag anhob. Ihre Hände tasteten vergeblich den Boden ab, um etwas zu finden, dass ihr Schicksal womöglich noch abwenden könnte. Das grimmige mit groben Tätowierungen verunstalte Gesicht verzog sich zu einer hämischen Grimasse, die an allem Gefallen fand, was Mord und Totschlag bedeutete. Doch diese Zeit wurde beendet, als Aine einen Speer so tief in seinen Hals rammte, dass er durch die Wirbelsäule drang. In seiner Verwunderung spuckte der Ork mit einem gurgelnden Geräusch dunkelrotes Blut, aber er konnte noch genug Lebenswillen aufbringen, um mit seinem Schwert nach Aine zu schlagen. Er verfehlte sie knapp und mit einem letzten enttäuschten Grunzer brach er in sich zusammen, um reglos bei den anderen Leichen am Boden liegen zu bleiben.
    Erst jetzt bemerkte Aine, dass ihr die Tränen über das Gesicht gelaufen waren. Panische Angst breitete sich in ihr aus und ließen Pflicht, Tapferkeit wie auch Würde wie ein Kerzenlicht im Wind verschwinden. Nur noch ein Gefühl blieb in ihr übrig. Ein Drang, der ihr sagte, dass sie rennen musste. So schnell und so weit wie möglich. Fern von Blut, Tod und Schreien.
    Sondern zu dem Einen, dem sie all das zu verdanken hatte.
    Ihrem Vater Cairr.

    Geändert von coel (17.06.2016 um 15:15 Uhr)

  2. #2
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari stöhnte schmerzerfüllt auf. Ihr Schädel dröhnte, als ob Ihr ein Pferd über den Kopf getrampelt wäre. Just in diesem Moment schoss ein scharfer Schmerz durch Ihr Bewusstsein, der Ihr einen neuerlichen Schmerzenslaut entlockte und Ihre vorherige Einschätzung relativierte. Das Pferd hätte Hufen mit Nieten tragen müssen, damit der Vergleich akkurat gewesen wäre. Ihre Hände gruben sich in weiches Gras und umschlossen es fest. Zu den bestialischen Kopfschmerzen gesellten sich nun weitere Facetten, die von anderen Körperteilen ausgingen; vor Allem Ihre Extremitäten machten sich solcherart bemerkbar. Schliesslich blinzelte Sie, was nicht die beste Idee war, wenn man mit dem Gesicht voran auf dem Boden lag. Doch ein weiteres Gefühl gesellte sich nun zum Schmerz - ein Gefühl der Dringlichkeit. Sie biss die Zähne zusammen, stemmte sich auf und kam etwas schwankend zum Stehen. Ein erster Rundumblick verriet Ihr, dass Sie sich in einem Wald befinden musste. Sie griff sich unwillkürlich an die Stirn, hinter der es immer noch abwechselnd stach und pochte. Ein bitterer, widerwärtiger Geschmack lag auf Ihrer Zunge, und es schien, als würde sich Ruß oder dergleichen auf Ihrer Kleidung befinden. Es war jedoch nichts so profanes - denn vor Ihren Augen zerfaserte es immer weiter, ehe es mit bloßem Auge nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

    Sie drehte sich um, um erste Anhaltspunkte zu finden, wo Sie war, in welcher Situation Sie sich befand und wie zum Orken Sie hierher gekommen war! Sie erstarrte jedoch wie versteinert, als Ihr unstet umher huschender Blick an etwas hängen blieb, dass sich über Ihr befand. Es war eine magische, sich bereits am Auflösen befindende Krümmung des Raumes. Undeutlich konnte Sie eine verzerrte Landschaft erkennen, während die Ränder des 'Bildes' sich durch klare Risse wie gesplittertes Glas von der 'Realität' abgrenzten. Doch es war nicht das stetig kleiner werdende magische Gebilde, es waren die Erinnerungen, die sie mit der Kälte und Intensität eines reissenden Flusses zu übermannen drohten. Vage erinnerte Sie sich daran, ebenso wie jetzt dort aufgeschlagen zu sein. Daran, wie sich schnell unfassbares und kaum greifbares Grauen in Ihr aufbaute, als Sie erkannte, dass die Landschaft, in der Sie sich befunden hatte, schlicht nicht real sein konnte - nicht real sein durfte. Sie erinnerte sich daran, vor etwas - oder vor jemandem? - geflohen zu sein; an panisches Zusammenkauern zwischen felsähnlichen Strukturen; an das Entsetzen, das sie bei jedem über sie fallenden Schattens überfiel.

    Alari hätte wohl noch Stunden dastehen und über den Erinnerungen brüten können, derart einprägsam war die Intensität der Gefühle gewesen, die Sie dort durchlitten hatte. Doch als Ihr Körper den Transport überwandt, kehrten auch Ihre Sinne wieder, und diese griffen etwas aus der Luft, das einen Strom anderer Erinnerungen auslöste. Es lag der schwere, metallene Gestank von Blut in der Luft. Von vergossenem Blut in großer Menge. Rauch und der Gestank von verbranntem, kauterisiertem Fleisch traten in Ihre Nase, während Sie nun ferne Schreie und stählernes Klirren hören konnte - wobei 'fern' nur bedeutete, dass es nicht in Ihrer unmittelbaren Umgebung stattfand. Alles, was Sie wahrnahm, zeigte überdeutlich, das Sie in einem Kriegsgebiet angekommen war. Sie griff sich erneut an den Schädel, als der Gestank der Schlacht Sie daran erinnerte, woher Sie genau gekommen war.

    Aus genau jener Schlacht, der Sie zu entfliehen versucht hatte. Gestochen scharf kamen die Eindrücke der Schlacht wie Nägel zurück, die in Ihren Kopf getrieben wurden. Die Schreie Ihrer Kameraden und Behüteten, Brüdern und Schwestern, die von den anstürmenden Orks einfach beiseite gestoßen oder niedergetrampelt wurden. Roter Lebenssaft spritzte durch die Gegend, als die groben Waffen Ihr grausames Werk verrichteten und blutige Ernte unter den Elfen einfuhren, die im Lazarett eigentlich hätten sicher sein sollen. An Fandrasârs Zorn, als er wie ein Bote des Himmels - ein Vergleich, der nicht unpassend war - hinab stieß und eine Schneise in die Aggressoren riss. An die Verzweiflung, die sich unter den Überlebenden breitmachte, als Sie bemerkten, dass die anrückenden Verbündeten und noch nicht einmal der Drache rechtzeitig zu Ihrer Rettung eilen konnten. An die Sturmböen, die über das Schlachtfeld peitschten und selbst die anstürmenden Orks dazu brachte, Ihren Vormarsch zu verlangsamen um zu sehen, was geschah. An den Moment, an dem Fandrasâr seine Macht gebündelt hatte und mit einem trotzigen, zornerfüllten Schrei, der die Grundfesten der Erde zu erschüttern schien seine Magie ballte und die eingekesselten Elfen mit einem Translokations- Spruch in Sicherheit bringen wollte.

    Nur, dass das augenscheinlich nicht geklappt hatte. Sie war wieder hier. Und gemessen an den Details, die Sie wahrnehmen konnte, konnte nicht allzu viel Zeit vergangen sein - der Kampf war immer noch in vollem Gange. In was für einem Alptraum Sie sich auch befunden haben mochte, wenn Sie sich jetzt nicht konzentrierte, wäre es um Sie geschehen. Sie hatte zur Genüge gesehen, wie Unachtsamkeit auch erprobten Veteranen zum Verhängnis wurde. Sie griff den Bogen, der sich noch auf Ihrem Rücken befand - im Lazarett hatte Sie schlicht nicht die Zeit gehabt, diesen zu spannen - und machte Ihn und damit sich gefechtsbereit. Sie legte einen Pfeil in die Sehne und begann, sich bereits auf die Melodie einzustimmen, die Ihr einen Weg durch den Wald bahnen würde. Nach den Lauten zu schliessen, würden die ersten Kämpfenden bald auch Ihre Position erreichen. Sie sollte jedoch verdammt sein, wenn Sie sich so einfach fangen liess! Ihre Stimme erklang, leise und sanft wie ein Windhauch, der sich auch durch die schmalste Ritze schlängelte; alles Feste umfuhr und niemals Inne hielt.

    Sie hatte noch keine Ahnung, dass es Zeitalter her war, seitdem das Letzte Mal ein derartiges Lied angestimmt hatte.

  3. #3
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Noch so ein königlicher Soldat, der Cadan ans Leder wollte und irgendwas von Verräter brüllte. Für derlei hatte er eigentlich keine Zeit, doch was blieb dem Trolljäger schon anderes über, als sich auch diesem Mann zu entledigen? Der Soldat war sicher ein tapferer Kämpfer, jünger als Cadan, unerfahrener. Der Versuch den Hieb von Cadan mit seinem Schwert abzuwehren, bezahlte er mindestens mit Schmerzen, denn die Wucht des Axthiebs schlug dem Mann sein Tötungswerkzeug aus der Hand und traf ihn fast ungebremst an seiner rechten Seite. Cadan war es egal, ob er verletzt oder gar Tot war, er sah zu das er von hier verschwand. Der Fürst war getürmt und während die Schlachtreihen weiter vorne regelrecht von den Orks und den Trollen zerfetzt wurden, tobte hier hinten die Schlacht der Verräter, wie Cadan sie nun einfach nannte. Doch sicher nicht mehr lange. Die wenigen Truppen des Fürsten, die nicht die Beine in die Hand genommen hatten oder einfach zurückgelassen wurden, um die Flucht ihres Lehnsherren zu ermöglichen, würden bald von dem übermächtigen Heer der königlichen Soldaten dahingerafft werden.
    Doch die waren nicht mal die Gefahr. Die Orks überrannten die Menschen einfach. Die Schlachtreihen, die Cadan weit vorne glaubte, kamen rasch näher. Es brach bereits das Chaos aus, die schöne Schlachtaufstellung die die Menschen gewählt hatten, war nicht mehr. Die Linke Flanke brach gerade auseinander, die rechte existierte schon gar nicht mehr und die Mitte war nur noch ein Getümmel aus Orks, Menschen, Trollen und was sich sonst noch so in diese Schlacht geworfen hatte. Ein paar Zwerge, so meinte Cadan zumindest sie zu sehen, sicher war er sich nicht – und es war ihm egal.
    Wenn er nicht sterben wollte, musste er hier weg.

    Sein Pferd fand er nicht, das hatte sich bestimmt irgendwer anders genommen und war bereits auf und davon. Cadan beschloss, sein Glück im Wald zu versuchen, dessen Rand sich nicht weit vom Schlachtfeld befand. Dort hatte er wohl noch die besten Chancen zu überleben, als hier mitten in diesem Gemetzel. Also rannte er los, weg von den Soldaten die ihn tot sehen wollten, weg von den Orks die ihn tot sehen wollten und weg von den Trollen die ihn tot sehen, und fressen wollten. Die war nicht das Schlachtfeld auf dem er sterben möchte, es war generell kein Schlachtfeld auf dem er sterben wollte. Er wollt gar nicht sterben und all das Gerede von Ruhm und Ehre, was einem Krieger zuteil würde, wenn er in einer großen Schlacht fiel, darauf schiss er. An dieser Schlacht, das hatte er schon jetzt erkannt, war nichts groß. Die Menschen wurden dahingerafft, brachten sich gegenseitig um und wer nicht schleunigst die Beine in die Hand nehmen würde, sah die morgige Sonne nicht mehr.
    Cadan blickte sich um und suchte den Weg, der am wenigsten Kampf versprach. Irgendwo weiter rechts von ihm donnerten gerade zwei Berserker der Orks durch die Massen, also war der Weg schon mal nicht der beste. Nach hinten konnte er auch nicht, dort wimmelte es inzwischen von Soldaten. Nach vorne - ne, so dumm war nicht mal er. Links schien daher die beste Option zu sein und so machte sich der Trolljäger daran, diesen Weg einzuschlagen. Außerdem hatte die linke Flanke noch am längsten gehalten, insofern war die Wahrscheinlichkeit, dort Orks oder Trolle niedermachen zu müssen noch am geringsten. Cadan hatte genug für heute einstecken müssen, und das noch nicht einmal von irgendeiner Grünhaut. So gut es ging, weichte er den Kämpfen aus, was überraschenderweise einigermaßen gut klappte.

    Leider machte ihm etwas einen Strich durch die Rechnung. Ein Berserker, glücklicherweise stand der mit dem Rücken zu ihm. Sobald sich dieses Ungetüm umdrehen würde, hatte er keine andere Möglichkeit, als zu kämpfen. Cadan wollte daher zuerst zuschlagen, solange das Monster beschäftigt war. Mit was sah er nicht und es war ihm auch egal. Sein Griff um die Streitaxt war fest und stark, dann schwang er die Axt über seinen Kopf und wollte gerade mit aller Wucht die er aufbringen konnte dem Berserker seine Axt in den Rücken jagen, als dem Ork etwas ziemlich langes aus dem Nacken wuchs. Etwas, was da nicht hingehörte. Ein Speer.
    Etwas überrascht sah Cadan die restliche Szene mit an, als er dann auch endlich entdeckte, wer da schneller war dem Berserker das Leben auszuhauchen, als er.
    Eine Frau.
    Geändert von Ironhide (17.06.2016 um 12:48 Uhr)

  4. #4
    Siedler Avatar von coel
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    Sie war gelähmt vor Angst. Starr blickte sie auf den Leichnam des Ork Berserkers, der vor ihr im Schlamm lag, während ihr Tränen saubere Linien durch den Dreck und das Blut in ihrem Gesicht zogen. Sie konnte nicht aufstehen, auch wenn alle ihre Sinne sie dazu antrieben, dass sie sich ohne Umzuschauen so lange rennen sollte, bis ihre Lungen wie Feuer brannten. Doch dann wurde ihre eine Hand gereicht. Keine, die nach ihrem Leben trachtete, sondern ihr aufhelfen wollte. Eine Stütze in all dem Chaos. Ihre geröteten Augen blickten auf den Riesen von einem Mann, der ihr Worte zusprach, die sie durch den Kampflärm nicht verstehen konnte. Doch gerade diese lautlosen Wörter und die helfende Hand rissen sie aus dem Bann der Furcht. Mit einem kräftigen Ruck wurde sie auf die Beine gehoben. Erst jetzt erkannte sie die Kampfbemalungen des Mannes. Die blauen geschwungenen Linien deuteten auf einen Trolljäger zu. Jene, die sie bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat gesehen hatte. Offensichtlich hatte sich ihr Vater auch diese Krieger als Unterstützer in die Schlacht mitgenommen. Auch ihr Gegenüber bemerkte etwas an ihr. Sein Blick war auf das goldbeschlagene Buch, welches durch eine Kette an ihrem Hüftgürtel angebracht worden war, gefallen.
    „Bist eine Magierin?“
    Sie nickte.
    „Fühlst du dich fähig zu kämpfen? Ich meine, ob du zaubern kannst?“
    Sie schüttelte den Kopf. Die Kraft und Konzentration fehlten ihr dazu.
    Grimmig reichte er ihr ein kurzes Breitschwert und ein Holzschild vom Boden. Er sah, dass sie instinktiv eine Kampfhaltung bezog und die Art wie sie die beiden Gegenstände hielt, schienen ihn zu überzeugen.
    Dann holte sie wieder das Schlachtgetümmel ein. Ein grölender Ork, der auf einem massigen Kampfeber ritt, wütete durch die Reihen von Freund und Feind. Aine und der Mann konnten sich gerade noch mit einem Sprung zur Seite retten, als das schwer gepanzerte Biest in ihre Richtung getobt war. Scheinbar wütend über den gescheiterten Versuch, wendete er sein Reittier und forderte die Beiden mit einem wilden Gebrüll heraus. Aine hob ihr Schild, obwohl sie wusste, dass dieses sie nicht gegen die Wucht des Gegners schützen würde. Der Mann wartete nicht erst auf Aktion, sondern griff den Ork an, bevor es dieser tat. Das Schwein erwies sich jedoch flinker als Aine es vermutet hatte und die Attacke des Mannes streifte die stählernen Platten der Rüstung. Knapp entging er den langen Hauern, die mit scharfen Eisenklingen versehen waren, damit sie noch tödlicher wurden. Kurz darauf schwang der Ork seinen Morgenstern nach seinem Gegner, der ihn am Kopf traf und den Helm, den er trug, in die Luft schleuderte. Benommen wankte der Mann zurück, während eine Platzwunde seine blonden Haare mehr und mehr rot färbte.
    Aine wartete nicht auf den folgenden Angriff des Orks. Sie dachte nicht mehr nach, was passieren würde. Sie handelte nur noch. Ihr Schwert traf eine ungeschützte Stelle in der Flanke des Ebers. Die mit dunkelbraunen Borsten übersäte Haut wurde aufgeschnitten und muskulöses Fleisch trat zum Vorschein. Bald schon bereute Aine ihre Tat, denn das Schwein quiekte zornig auf und richtete seine ganze Wut auf sie. Im letzten Augenblick konnte Aine ihr Schild hochreißen, bevor die spitzen Hauer es bersten ließen und sie in eine Gruppe von Kämpfenden geworfen wurde. Ork und Menschen achteten allerdings nicht auf Magierin, die zwischen ihnen auf dem Boden lag und sich stöhnend herumwälzte. Sterne tanzten vor ihren Augen und ein pochender Schmerz breitete sich in ihrem Arm, an dem die Reste des Schildes hingen, aus. Weißer Schaum tropfte aus dem Maul des Ebers, in dessen Flanke immer noch das Schwert steckte. Der Reiter versuchte sein Tier unter Kontrolle zu bringen, doch dieses galoppierte bereits wieder auf Aine zu.
    Geändert von coel (17.06.2016 um 15:15 Uhr)

  5. #5
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Die Erde bebte unter Rijoks Füßen und die Reitechsen, die den Karren mit den Sklaven zogen, schnaubten verärgert. Inzwischen waren sie jedoch schon an den Troll gewöhnt, der nun aus dem Unterholz brach und durch die Gruppe von Banditen sprang wie ein Kind durch Pfützen. "Matschen! Matschen!" jauchzte die Kreatur glückselig während sie die Wegelagerer mithilfe einer hölzernen Keule in zähflüssigen roten Brei verwandelte. Das Wort hatte dem Troll so gut gefallen, dass Rijok ihn direkt danach benannt hatte. Rijok fühlte Reue in sich aufsteigen, während er beobachtete wie die Halsabschneider, panisch schreiend, versuchten den Abhang, den sie soeben herabgestürmt waren, wieder zu erklimmen, nur um nach und nach von Matsch verflüssigt zu werden. Alles ausgewachsene, kräftige Männer. Die aktuelle Ausbeute seiner Reise durch Lundai und Hurt war mehr als kläglich ausgefallen. Zwei Elfenfrauen, eine menschliche Frau und fünf Männer. Letzten Frühling hatte er beinahe 20 tüchtige Männer vorweisen können. Sein Angebot hatte eine größere Variation an körperlich belastbaren Arbeitskräften bitter nötig. Allerdings war dem Troll das Konzept von Kriegsgefangenen fremd. Wenn er kämpfte, dann bis zum Tod. Ihm diesen Wesenszug auszutreiben hielt Rijok für unmöglich.

    Er war noch in Gedanken, als der Troll plötzlich einen Satz machte und direkt vor Rijoks Schnauze landete. Die Erschütterung warf ihn beinahe um. "Matsch., erklärte seine mosntröße Wache stolz und hielt Rijok seine Keule hin, von der eine nicht näher zu identifizierende Masse aus Fleisch und Eingeweiden heruntertropfte. "Brav Matsch.", lobte Rijok sein beinahe 3 Meter großes Haustier. "Du bist nicht umsonst oberste Ehrenleibgarde." Matsch grinste breit und die blutverschmierten Zahnreihen, die er dabei entblößte verrieten, dass er bereits von seinen Opfern genascht hatte. Der Troll war für Rijok ein Geschenk des Schicksals gewesen. Früher hatte er ganze Wacheskorten anheuern müssen, um sicher zwischen Drah'zil und Menschengebiet hin und herzureisen. Heute reichten ein paar Söldner, deren primäre Aufgabe es war, Pfeile abzufangen und Zeit zu schinden, bis der Troll, der ihnen durchs Dickicht folgte, aufgeschlossen hatte. Außerdem beschützen sie ihn in Städten und Siedlungen, in die er den Troll eher selten mitnahm.

    Er war schon sehr nah an der Grenze zu Tremorlor. Die wenigen Handelsstraßen, die zwischen dem Echsenreich und den Fürstentümern der Menschen existierten, waren berüchtigt für ihre Banditen. "Grausam, tödlich und schnell", hatte sie ein Wachmann beschrieben. Nun lagen sie harmlos, leblos und regungslos auf dem trockenen Gras, zumindest ein Teil von ihnen. Mit einem widerlich schmatzenden Geräusch schlürfte Matsch ihre Überreste von der Erde, während die kleine Karawane wieder Fahrt aufnahm. Der Troll schien ausgesprochen guter Laune zu sein denn er teilte einen Teil seiner Beute sogar mit den Nauglier, den beinahe ebenso gefährlichen Reitechsen die den Wagen zogen, ehe er wieder in die Büsche verschwand.

    Wenigstens Matsch schien auf dieser Reise seinen Spaß zu haben. Rijok hingegen war alles andere als gut gelaunt. Mit einer solch mageren Ausbeute würde er kaum Gewinn machen. Die Frauen würde er durchfüttern müssen, bis er das nächste Mal in den Fürstentümern war, die Drah'zil hatten keinen Bedarf für sie. Ihm blieben also nur die Fünf Männer. Die wären gerade genug um die Reisekosten zu decken. Gewinn machte er mit denen bestimmt nicht. Trösten konnte er sich lediglich mit der Tatsache, dass die Elfenfrauen hübsch waren, zumindest nach menschlichen Standards. Sie würden auf den Sklavenmärkten der Fürstentümer eine stattliche Summe Geld einbringen. Er selbst verstand den Geschmack der Schuppenlosen überhaupt nicht. Ständig verlangten sie nach langen Haaren und zarter, weicher Haut. Nur wenige von ihnen wussten ein breites, gebärfreudiges Becken zu schätzen. Narren. Als er das erste Mal gehört hatte, das die Menschen gutes Geld dafür bezahlten, um mit Frauen zu schlafen, ohne jedoch die Absicht zu haben einen Nachfahren zu zeugen hatte er es nicht glauben wollen. Auch die Faszination an nackter Haut war für ihn völlig unverständlich. Aber ein Weibchen nackt anzubieten konnten den Preis oft nahezu verdreifachen, oder aber einstürzen lassen. Auch diese Erfahrung hatte Rijok bereits gemacht. Seitdem verkaufte er Menschenfrauen über 40 nur noch in Kleidung. Die beiden Elfen konnte er aber auf jeden Fall nackt anbieten. Die lüsternen Blicke, mit denen seine Söldner sie begutachteten, obwohl sie dicke Wolljacken trugen, waren ihm nicht entgangen. Außerdem war er noch am selben Tag, an dem er die beiden erworben hatte, von dem Anführer der Söldner gefragt worden, ob sie sich nicht für einen Teil ihres Soldes mit ihnen vergnügen dürften. Rijok hatte abgelehnt. Auf seiner erste Reise als Sklavenhändler hatte er einmal eine solche Regelung akzeptiert, die schließlich jedoch im Selbstmord von zwei der Frauen geendet war. Drei weitere hatten so deutlich an Marktwert verloren, dass sie zum Minusgeschäft geworden waren. Seitdem durfte außer den anderen Drah'Zil niemand die Ware auch nur anfassen. Wer es dennoch versuchte, machte Bekanntschaft mit Matsch.

    Kaum eine halbe Stunde nach dem Banditenüberfall erreichte die Gruppe die letzten Ausläufer des Gebirges. Vor ihnen erstreckte sich die Wüste von Tremorlor, Sand und Stein so weit das Auge reichte. Bis nach Salingen, dem nächsten Drah'zil Dorf, waren es etwa zwei Tagesreisen. Ein letztes Mal überprüfte Rijok die Wasser- und Nachrungsmittelreserven. Sie würden ihnen problemlos ausreichen. "Deck den Käfig ab!" befahl er einem der anderen Drah'zil, bevor er sich an die Söldner wandte. "Wir haben den ersten Teil unseres Weges nun fast hinter uns. In Salingen erhaltet ihr, wie abgesprochen, den ersten Teil eurer Bezahlung. Wenn ihr eure Dienste auch für die Rückreise nach Hurt wieder zu Verfügung stellt zahle ich euch einen Bonus von 20%." Die Aussicht auf mehr Geld hellte die Stimmung der Menschen schlagartig auf. Nur die Echsen starrten mit ausdruckslosen Mienen ihrem Heimatland entgegen, dass sie nicht mehr Heimat nennen konnten. Rijok fühlte ein Stechen in der Brust. Er schüttelte die in ihm aufsteigenden Erinnerungen ab, als wären sie lästiges Ungeziefer, und gab den Befehl zum Aufbruch.

  6. #6
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Der Schlag war heftig und ohne Helm wäre Cadan nun sicher tot. In seinem Kopf hämmerte es. Für einen Moment war er benommen und nahm um sich herum alles nur wie durch einen Schleier auf. Er fasste sich an den Kopf und spürte wie Nass die Stelle war, an der er getroffen worden war. Blut. Er sah es nicht, fühlte es nur aber was hätte es auch sonst sein sollen? Erst als er die Hand wieder wegnahm und sich vor Augen führte, sah er den Rot an seinen Fingern.
    Cadan schüttelte sich, trieb das benommene Gefühl aus seinem Kopf und verschaffte sich erst mal einen Überblick. Wo war der Hund, der ihn solche Kopfschmerzen bereitet hatte? Als er ihn erblickte, sah er auch, das die Frau, inmitten auf dem Schlachtfeld stand, nur noch mit ihrem Schild in der Hand.
    Doch das war dem Trolljäger relativ egal, denn er war sauer und je weniger die Glocken in seinem Kopf von dem Schlag klingelten, desto mehr steigerte das seine Wut. Zum Teil auch auf sich selbst, das er so unaufmerksam gewesen war und sich einen Schlag eingefangen hatte. Cadan packte daher seine Streitaxt und stürmte auf das Schwein los, dessen Reiter offenbar Schwierigkeiten hatte, sein Tier wieder in den Griff zu bekommen. Das Tier preschte bereits auf die Magierin zu, Cadan nährte sich ihr seitlich, und weder sie noch das Tier sahen ihn kommen. Nur der Ork hatte ihn bemerkt und schwang erneut seinen Morgenstern, den er dem Hünen erneut über den Schädel ziehen wollte, sobald er in Reichweite war. Allerdings hatte der Trolljäger anderes im Sinn. Nicht der Ork war sein Ziel, sondern das Tier selbst und wenn er es schon nicht den Ork mit einem Schlag erledigen konnte, so konnte er aber beide mit einem Schlag aufhalten. Er war dichter an der Frau, so das er die Distanz zu ihr schneller hinter sich bringen konnte, als das Schwein es tat, wenn auch nur um Sekunden.
    „SPRINGT!“, schrie er ihr entgegen, während er seine Axt über seinen eigenen Kopf schwang, sich dann auf seine Knie fallen ließ um das letzte Stück zu rutschen, dabei dem Schlag des Orks ausweichend, seine eigene Axt mit einer solchen Wucht in ein Bein des Ebers schlug, das sie glatt durchging. Der Morgenstern verfehlte seinen Kopf dabei nur um Zentimeter und hätte Cadan seinen Streitaxt nicht so geschwungen, das es eins der Beine durchtrennte, wäre ihm selbige wohla llein durch die Wucht des Aufpralls aus der Hand gerissen worden.

    Ein Schreckliches quieken war die folge, das Schwein stürzte und überschlug sich, warf dabei den Ork ab und rollte sich mehrmals um die eigene Achse, bevor es vor Wut und Schmerz quiekend am Boden liegen blieb und strampelte. Cadan sah zuerst nicht, ob die Frau seiner Anweisung gefolgt war, aber nur einen Augenblick später sah er sie im Dreck liegen, nur knapp neben der Furche die das Schwein gezogen hatte bei seinem Sturz. Schnell sprang er wieder auf, eilte die wenigen Schritte zu ihr, packte sie am Arm und zog sie auf die Beine.
    „Kommt!“
    Weder das Schwein noch den Ork beachtete er, sonder zog sie mit sich in Richtung Wald.

  7. #7
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    Aine schrie vor Schmerzen auf, als ein orkischer Pfeil sich in ihren Oberschenkel bohrte. Doch sie fiel nicht, sondern rannte mit zusammengebissenen Zähnen weiter. Vor ihr spaltete der Mann, der ihr wieder einmal geholfen hatte, gerade einem Ork den Schädel. Wütend brüllte der Mann auf, da er merkte, dass er die Axt nicht mehr aus dem Kopf des Orks ziehen konnte. Er nahm ein Schild vom Boden auf und beschleunigte wieder seine Schritte.
    Obwohl ihre Lungen brannten wie ein zwergischer Hochofen, hörte sie nicht zu laufen auf. Sie wollte aus diesem Grauen entkommen und das mit jeder Faser ihres geschundenen Körpers. Die Furcht um ihr Leben trieb sie an. Für kurzen einen Moment, wagte sie einen Blick hinter sich.
    Die Grünhäute hatten die Linie der Menschen nun völlig durchbrochen. Kein Soldat dachte mehr an seinen Kameraden, an Ehre oder an einen Sieg. Jeder rannte um sein Leben, während die Orks, Goblins und Trolle sich mit wahnwitziger Leichtigkeit durch die letzten verzweifelten Verteidiger mähten wie ein Bauer mit der Sense durch ein Getreidefeld. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Das war Aine nicht gewohnt. Der metallische Geschmack von Blut, der Gestank von Fäkalien aus zerrissenen Därmen und der klebrige Schweiß lagen schwer in der Luft. Egal, wo sie hinsah, krümmten sich Menschen wie auch Grünhäute im Schlamm und klammerten sich an die Überreste einer Gliedmaße oder versuchten ihre Eingeweide davor zu bewahren aus ihren Bäuchen zu quellen.
    Mittlerweile waren sie aus dem größten Getümmel heraus und flüchteten wie auch andere wenige Glückliche über eine grüne Ebene in die Richtung eines angrenzenden Waldes. Dicht gefolgt von Orks, die nach einem Kampf grölten. Eine Soldatin stolperte ungeschickt über einen Stein. Sie schrie nach einer Rettung, doch niemand folgte ihrem Ruf. Stattdessen war es die Axt eines Orks, die mit voller Wucht in ihren Rücken geschlagen wurde. Der Waldesrand schien zum Greifen nah und brachte neue Kraft in Aine.
    Vereinzelt flogen noch Pfeile an Aine vorbei, aber nur selten fanden diese ein Ziel. Umso überraschter war es Aine, als Pfeile aus der anderen Richtung geschossen wurde und jeder von diesen einen blutrünstigen Verfolger traf. Erst jetzt konnte Aine die Gestalt erkennen, die ihren Bogen unablässig spannte, um ihnen die Flucht zu sichern.
    Endlich hatte Aine den Wald erreicht. Nach einigen weiteren Metern versuchte sie etwas Halt an einer dicken Kiefer zu gewinnen, doch sie sank keuchend neben diesen. Bräunliche Kiefernadeln blieben an ihrem Gesicht hängen und der feuchte Geruch von Moos stieg ihr in die Nase. Beinahe wäre sie vor Erschöpfung eingeschlafen, als eine Hand zärtlich ihren Arm berührte. Sie rollte sich immer noch heftig atmend zur Seite, wobei sie darauf achtete, dass der Pfeil nicht noch tiefer in ihr Bein drang.
    Aine blinzelte ungläubig über die Person, die sie aufmunternd, aber voller Sorge anlächelte.
    „Ist das ein Traum?“, ging es leise über Aines aufgesprungenen Lippen.
    Die wunderschöne Elfe mit dem feuerroten Haar und den Augen, die wie Smaragde glänzten, schüttelte den Kopf. Ihr Äußeres schien fern von all dem Schrecklichen und Hässlichen vor dem sie noch vor Sekunden weggerannt war. Die helle Haut glich einer marmornen Statue, rein und ebenmäßig ohne jeglichen Makel. In den langen, spitzen Ohren hingen kunstvoll gefertigte Ohrringe, die wie grüne Tränen aussahen und im jeden Augenblick zu Boden fallen würden. Ihre feingliedrigen Finger waren weich und sanft beim Abtasten ihrer Verwundung.
    „Nein“, sagte die Elfe mit einer melodischen Stimme, „Nein, ihr träumt nicht.“

    Geändert von coel (20.06.2016 um 12:37 Uhr)

  8. #8
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    Alari wandte den Blick von der Frau ab, die Ihr gewissermaßen vor die Füße gefallen war, und sah wieder in Richtung der Schlacht. Ihre warm glühenden, smaragdfarbenen Augen verengten sich, als Sie die Orks weitaus rascher näher kommen sah, als Sie es gerne gehabt hätte. Doch irgendetwas störte Sie auch bei deren Anblick. Es schien Ihr, als würden Sie... grobschlächtiger sein. Und Ihre Tracht unterschied sich von der, die sie über lange Jahre kennen gelernt hatte. An welcher Flanke war Sie? War Sie noch in derselben Schlacht, oder hatte die Magie Ihres Meisters Sie weiter fort gebracht als bis dato angenommen? Alles Fragen, die später geklärt werden müssen. dachte Sie sich. Als Sie wieder zu der Frau sah, fragte diese Sie gerade in höchst seltsamen Dialekt, ob dies ein Traum wäre. Der Kommentar kam für Sie solcherart unerwartet, dass Sie unwillkürlich lächelte. Für Aine war es, als würde die Sonne aufgehen - trotz der Situation vergass die Maga für einen Moment, dass Sie sich mitten im Kampf befanden. Das Lächeln bekam jedoch schnell eine sorgenvolle Note, als Ihr Auge die Verletzungen erfasste, die Ihr Gegenüber erlitten hatte. [Nein.] sprach Sie, [Nein, Ihr träumt nicht.] Es schien, als wären die Worte Teil eines Liedes, aus dem Sie heraus genommen worden wären. Alaris Sprache haftete eine unscheinbare Melodie an, die Ihre exotische - beinahe archaische - Art zu sprechen weiter betonte.

    Ein Blick an Ihre Seite zeigte einen Muskelberg von einem Mann, der auf Alari ein wenig wie aus einem groben Felsblock heraus gemeißelt vorkam. Wie viele männliche Menschlinge trug er sein Haupthaar unter dem Kinn, was, soweit Sie es richtig verstanden hatte, von Ihnen 'Bart' genannt wurde. Auch dessen Blick drückte eine Mischung aus Überraschung, Argwohn, Ehrfurcht und weiterem aus - im Gegensatz zu der Frau Ihm jedoch auch weitaus mehr Unverständnis. Scheinbar hatte er Sie nicht verstanden, des elfischen schein er nicht mächtig zu sein. So wechelte auch Alari in die Gemeinsprache. "Gebot der Stunde ist es, nicht zu verweilen und schnell zu schreiten. Einer Mannigfaltigen Horde trutzen wir, doch Kampf wird hier nicht erfolgreich sein. Schreiten wir von dannen, während das Lied meiner Seele uns durch das große Grün leiten wird." War Aine die Sprache der Elfe schon zuvor etwas altertümlich vorgekommen, so war Sie nun vollends von diesem Eindruck überzeugt. Zwar sprach die Elfe die Gemeinsprache, doch bediente Sie sich einer alten Sprechweise, die schon seit langer, langer Zeit nicht mehr verwendet wurde; und nur Ihrem Studium war es zu verdanken, dass Sie verstehen konnte, was die Frau von sich gab. Diese hatte sich jedoch schon wieder abgewendet, um einen weiteren Pfeil in Richtung der Horde zu verschiessen. Unglücklicherweise bemerkte Alari, wie erschöpft Sie immer noch wahr. Immerhin war Sie auch vor nicht allzu langer Zeit aus der Schlacht hinaus gerissen worden, um dem Tod um Haaresbreite zu entgehen, bevor Sie schliesslich wieder hier aufgetaucht war. Von den Entbehrungen, die Sie auf ihrer 'Reise' erlitten hatte, ganz zu schweigen. Und als wäre das noch nicht genug, zählte Ihr Köcher auch nicht mehr allzu viele Pfeile. Sie winkte den beiden Menschlingen zu. "Folget mir! Im großen Grün werden Orken und deren Alliierte uns nicht zu erspähen vermögen."

  9. #9
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    Das kleine Lagerfeuer knisterte melodisch und neben der wohligen Wärme, die es spendete, beruhigte es Nalim auf eine Weise, die er nicht beschreiben konnte. Feuer hatte schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf ihn gehabt. Deswegen war er auch Schmied geworden. Die lodernde Hitze, das Schmelzen von Metall und die blitzenden Funken, wenn sein Hammer das Eisen traf, waren alles, was er im Leben gebraucht hatte.
    Er vermisste diese Zeit.
    Seine gelben Schuppen, die vereinzelt weiße Flecken aufwiesen, glänzten im Flammenschein, während er mit einem kümmerlichen Ast in der Glut stocherte. Er hörte Schritte im Sand hinter sich, machte sich jedoch nicht die Mühe seinen Kopf zu wenden. Hier draußen in der Wüste lauerten Gefahren, die nur Unvorbereitete traf. Zu lange schon reisten sie durch diese Gegend, als dass sie leichtsinnig Fehler machen würden.
    Getrocknete Scheiben von Nauglir-Fleisch sowie eine Kürbisflasche wurden ihm über die Schulter gereicht und er dankte mit einem stummen Nicken.
    Rijok Silberklinge setzte sich neben ihn und kramte aus einer der Taschen, die an einem diagonal über seine Brust verlaufenden Gurt befestigt waren, ein paar Nama-Blätter heraus. Eine gängige und beliebte Droge der Drah’Zil. Ihre entspannende und schmerzlindernde Wirkung wurde auch auf Schlachtfeldern genutzt. Doch die Jahre, in denen die Drah’Zil Krieg führten, waren schon lange vorbei. Jetzt war es nur noch ein Genussmittel für ruhige Momente.
    Dankend lehnte Nalim ab, als Rijok ihm zwei Blätter anbot.
    „Nein, danke“, sagte er und gab sie zurück, „Ich verzichte.“
    Rijok zuckte die Schulter und stopfte sich auch diese Blätter noch in das Maul. Mit einem tiefen Seufzer erhob sich Nalim, streckte sich und schritt zu dem Käfig. Wie immer hatte Rijok ihnen befohlen, dass die Nauglir kreisförmig um die Sklaven schlafen sollten. Er ließ sie nie völlig satt werden, damit sie nicht träge wurden, aber vor allem, keine leichten, spontanen Mahlzeiten verschmähen würden. Die Biester waren sehr unruhige Schläfer und mehrere glühend gelbe Augen beobachteten seine Bewegungen. Die Drah’Zil mussten sich mit der Drüsenflüssigkeit der Nauglir einreiben, um von den Tieren als Teil des Rudels angesehen zu werden. Denn auch sie standen auf der Speisekarte dieser gefährlichen Jäger der Wüste.
    Nalim verdrehte die Augen, als er bereits die dritte Nacht schon wieder ein Schluchzen aus dem Käfig hören konnte. Verängstigt schreckte die Elfin auf, als die stechend roten Augen von Nalim sie durch die Gitterstäbe musterten.
    „Die morgige Reise wird lang, Elfenweib“, zischelte er, „Reiß dich zusammen, bevor du die anderen aufweckst.“
    Seine Worte schienen sie zur Besinnung zu bringen und sie senkte ihre Lider zum Schlaf. Das hoffte Nalim zumindest. Er kehrte zurück an das Feuer, wo er seinen Ast hineinwarf. Kleine Funken flogen in die Luft und verblassten so schnell wie sie aufgetaucht waren.
    „Willst du wirklich in Salingen Halt machen?“, fragte er Rijok ungläubig, „Wollen wir nicht gleich bis nach Ashan reiten?“


    Der Wald war dichter und tiefer als er von außen gewirkt hatte. Dunkle Gewitterwolken breiteten sich wie ein Omen über ihnen aus und grollten bereits zornig. Es würde nicht lange bis zum Regnen dauern.
    Insgeheim hieß Aine die kommenden Tropfen willkommen. Auf diese Weise, würde wenigstens der Dreck und das Blut von ihr gewaschen werden. Nicht jedoch die Bilder aus ihrem Kopf. Schnell verbannte sie die allzu deutlichen Erinnerungen und konzentrierte sich auf das Jetzt.
    Aus der verzweifelten Flucht war inzwischen ein vorsichtiges Versteckspiel geworden. Obwohl der Ort der Schlacht weit weg von ihnen lag, so hatten viele Grünhäute die Verfolgung aufgenommen und suchten nun hitzig nach Überlebenden.
    Die Elfin, deren Namen Alari war, hatte sich als Führerin durch das Waldgebiet erklärt, wofür Aine ausgesprochen dankbar war. Ihre ganze Kraft setzte Aine in sich selbst, um nicht hinzufallen und dadurch ihr Schicksal einfach anzunehmen. Der Mann wollte eine helfende Stütze sein, doch Aine weigerte sich vehement. Sie war etwas zur Besinnung gekommen und konnte es nicht mehr ertragen, dass sie nur noch eine Last für die Beiden darstellen würde. Die panische Angst war dem Stolz gewichen.
    „Dieser Wald ist groß“, murmelte der Mann namens Cadan, „Wisst ihr überhaupt, wo wir hingehen?“
    „Dem Feinde so weit wie es nur möglich ist zu entfliehen. Dies ist mein Begehr“, antwortete ihm die Elfe, während sie aufmerksam ihre Umgebung beobachtete.
    Aine hatte nur aus Büchern über das makellose Volk von Eremon gelesen. Die Elfin war von einer unvergleichliche Anmut. Jede ihre Bewegungen schien eine Eleganz zu besitzen, die für Aine völlig fremd war. Wie gebannt verfolgte sie ihre Schritte und stolperte dabei fast über ihre eigenen.
    Auch wenn sie außer Sichtweite der Orks waren, so konnten sie sie dennoch hören. Ihre schweren Stiefel stampften durch den Wald und erleichtert es ihnen dem Feind auszuweichen.
    Plötzlich spürte es Aine. Es war nur ein ganz schwaches Kribbeln, ein Gefühl, was sie lange nicht mehr gespürt hatte.
    „Ein Riss“, flüsterte sie sich zu, dann dämmerte ihr es mit einem Schlag.
    „Wir müssen in diese Richtung!“, teilte sie ihren beiden Begleitern mit, „Ich habe einen Weg gefunden, wie wir von ihr verschwinden können.“


  10. #10
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Noch immer grummelte Cadan innerlich, das er seine Streitaxt auf dem Schlachtfeld zurücklassen musste. Auch sein Pferd war auf und davon, mit Sicherheit inzwischen tot. Dumm war, das ein Zweihänder bei dem Pferd gewesen war. Während der Flucht hatte er sich daher irgendein Schwert gegriffen, was auf dem Boden lag, um wenigstens etwas zu haben um sich zu verteidigen. Es war um einiges leichter und in seinen Händen fühlte es sich falsch an, so als würde es beim ersten Schlag zerbrechen. Gegen einen Ork oder gar einen Troll würde er mit so einer Waffe freilich kein Land sehen, aber sonst hatte er nichts mehr.
    Der Elfe gegenüber war er misstrauisch, aber auch neugierig. Noch nie hatte er eine gesehen und von ihre Grazie und Anmut war er sehr angetan. Sie war schön, schöner als die Magierin, die auch äußerst ansehnlich war. Aber um sich Frauen anzusehen würde er ein andermal sicher mehr Zeit haben, denn die Gefahr war noch allgegenwärtig und wenn sie nicht aufpassten, würde er nie wieder irgendwas ansehen, außer Radieschen von unten. Zielsicher schritt die Elfe durch den Wald, so als wüsste sie jederzeit, wo sie hinmüsse, ohne einem Ork über den Weg zu laufen. Sie kennt sich hier also sehr gut aus, vermutete Cadan. Aber ihr Gerede war ihm völlig fremd. Das elfische sowieso, aber selbst die gemeine Sprache war nicht unbedingt das, was man erwarten würde.

    „Ich glaub, ihr müsst auch was auf den Kopf bekommen haben, wenn euch erst JETZT einfällt, das ihr einen Fluchtweg kennt, der uns von all dem hier weg bringt.“, meinte er, bevor er ihre Worte richtig aufgenommen hatte. „Moment, gefunden? Wie habt ihr das denn gemacht? Adleraugen?“ Der Sarkasmus war nicht zu überhören, waren sie doch beide die ganze Zeit der Elfe hinterher gewandert. Und nicht nur sie, unterwegs hatten sie noch ein paar versprengte Menschen aufgegabelt, die irgendeinem Fürsten angehörten, den ´zumindest Cadan nicht kannte. Einer war verletzt und konnte kaum noch selbst laufen, ein weitere hatten einen Bogen aber nur noch eine Hand voll Pfeile und ein dritter trug nur noch sein Kurzschwert. Nicht gerade eine Schlagkräftige Truppe, aber er hatte so ein Gefühl, das er die noch brauchen würde.

  11. #11
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Rijok ließ sich den Vorschlag seines Mitreisenden einen Moment durch den Kopf gehen, während er in die tieforange Glut starrte. "Nein." entschied er schließlich. "Ohne Zwischenstopp könnte das Proviant knapp werden. Matsch wird in der Wüste nicht so erfolgreich jagen können wie im Wald. Ich möchte kein unnötiges Risiko eingehen." Er warf Nalim, dessen Augen noch immer auf dem lodernden Feuer ruhten, einen kurzen Seitenblick zu. "Vermisst du den Amboss?" Der Drah'Zil verzog sein Maul zu einem gequälten Lächeln. "Ich vermisse meine Bestimmung." Sein Blick verlor sich in den Tiefen der Glut, beinahe als hoffte er in ihr eine Antwort, eine Lösung, zu finden. "Wenn wir wieder in Hurt sind kannst du ja mal eine der Menschenschmieden aufsuchen." schlug Rijok vor. Nalim schnaubte nur verächtlich. "Die Schmieden der Schuppenlosen sind nicht mehr als eine erbärmliche Ansammlung von Kinderspielzeug. Die Scheiße der Nauglir ist heißer als das Feuer ihrer Hochöfen." Rijok schmunzelte. "Was würde ich drum geben zu sehen, wie du besten Darimstahl über den dampfenden Haufen der Nauglir zum glühen bringst." Nun stahl sich auch auf Nalims Gesicht ein süffisantes Grinsen, das seine schneeweißen Reißzähne entblößte und das Bedauern wich für einen Moment aus seinen Augen.

    Eine angenehme Taubheit breitete sich in Rijoks Körper aus, während die Nama-Blätter langsam ihre Wirkung entfalteten. Er seufzte glückselig, während alle Anspannung schrittweise von ihm abzufallen schien. "Hast du uns was übrig gelassen?" Die beiden anderen Drah'Zil, der Krieger Arash und die Magierin Pehtia, gesellten sich zu ihnen ans Feuer und Rijok reichte beiden jeweils zwei Blätter der berauschenden Pflanze. "Alles in Ordnung mit den Nauglir?" fragte er in gewohnter Routine. "Den Biestern gehts gut." antwortete Pehtia, die von den vier Drah'zil am besten mit den Reitechsen umzugehen vermochte. "Inzwischen haben sie sich sogar an das Geschniefe des Elfenweibchens gewöhnt." Rijok schnaufte theatralisch. "Ist sie immernoch wach und am winseln?" "Sie schläft, aber Winseln tut sie trotzdem." kicherte Pehtia. "Bei meinen Schuppen, ich weiß nicht, was die Söldnermännchen an ihr finden. So ein Weibchen gebärt bestimmt keine starken Knaben." "Die Elfen wollen auch keine starken Knaben." knurrte Arash mit seiner charakteristisch tiefen und knarzenden Stimme. "Deren Männer sollen schließlich nicht kämpfen, sondern Bäume kuscheln. Wofür haben wir ihnen denn sonst die Shantiri geschenkt?" "Kein Wunder, dass sie sich so selten fortpflanzen." bemerkte Pehtia "Bei so schwachen Männchen hätte ich als Weibchen auch kein Interesse." "Ich hab mal gehört sie singen während der Fortpflanzung." kommentierte Rijok. "Angeblich steigert es die Gesundheit des Kindes." "Das soll ein Männchen mal bei mir versuchen." gluckste das Drah'Zil Weibchen. "Dann geb ich ihm aber Grund wirklich zu jaulen." Nalim stimmte in das Gelächter der Magierin mit ein während sich Rijok und Arash nur etwas betreten ansahen. Jeder von ihnen wusste, dass Pehtia vermutlich nie Eier legen würde. Zum einen waren die Eierschalen bei Infizierten wie ihr so dünn, dass mindestens die Hälfte der Echslinge die ersten Tage nicht überleben würden und zum anderen war Infizierten die Fortpflanzung vom Rat der Ältesten untersagt. Die Bruthöhlen, in denen sie die notwendige Ruhe und Nahrung bekamen, die für das Austragen der Eier notwendig war, waren für sie Tabu. "Du kannst die Elfenweibchen morgen ja mal Fragen was sie an den jaulenden Blumenschmusern so betört." schlug Rijok vor, bevor er hinzufügte: "Es ist wahrlich ein Jammer, dass wir kein Elfenmännchen haben, das uns den Brunftgesang seines Völkchens mal vortragen könnte." Nun ließ sich auch Arash vom Gelächter der beiden anstecken. "Sei doch froh darum." prustete Pehtia und spuckte dabei versehentlich eins ihrer Nama-Blätter ins Feuer. "Überleg nur, wie sehr das die armen Nauglir verstören würde, von Matsch ganz zu schweigen." Nun musste auch Rijok herzhaft lachen. Die Vorstellung wie Matsch versuchte sich einen Reim auf einen nackten, jaulenden Elfen zu machen amüsierte ihn zutiefst. "Vermutlich," scherzte Rijok mit einem schelmischen Augenzwinken, "würde er den Elfen mit einem Baum kuscheln lassen, von unten."

    Sie saßen noch eine ganze Weile gemeinsam am Feuer. Wieder im Land ihres Volkes angekommen zu sein, aus dessen Mitte man sie verstoßen hatte, verstärkte nur das Gefühl der Isolation und Einsamkeit, dass sie nach gegenseitiger Gesellschaft suchen ließ. Rijok hatte gespürt wie die Anspannung seiner Leute mit jedem Kilometer, den sie näher an Tremorlor herangerückt waren, gestiegen war. Umso dankbarer war er nun für den Moment des Schalks und der Zerstreuung. Die kommenden Tage würden sie erneut mit Anfeindung, Ablehnung und Verachtung konfrontieren aber solange sie einander als Stützen hatten würden sie auch diese Widrigkeiten unbeschadet überstehen, dessen war er sich sicher.
    Geändert von Aeon525 (20.06.2016 um 21:32 Uhr)

  12. #12
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari sandte ein Dankgebet gen Eremon, als Aine sich als Magierin zu erkennen gab. Die Zauberei der Kinder Glenns war zwar noch sehr grob und ungeschliffen, aber schliesslich war es auch nicht allzu lange her, das sie dieses Geschenk empfangen hatten. Aber sie hatte keine Zeit, der Zauberwirkerin bei ihrer Arbeit zuzusehen. Vielmehr besah Sie sich das unmittelbare Umfeld näher und hatte schliesslich einen Baum ausfindig gemacht, der Ihren Zwecken dienlich schien. Leichtfüßig schwang Sie sich in die Äste, die Ihr Gewicht ohne Mühe zu tragen schien. Zwar konnte Sie nicht allzu hoch klettern, wollte Sie das Blätterdach doch nicht bitten müssen, ihre freie Sicht zu gewähren, doch würden die Orken zumindest nicht gleich an Sie heran kommen. Still und verborgen auf Ihrer Position verharrend, spitzte Sie die Ohren und achtete auf verräterische Bewegungen, die im umliegenden Pflanzenwerk zu sehen waren. Die Orks mochten zwar keine schlechten Jäger sein, doch an die Kunstfertigkeit eines Elfen reichten Sie auch mit all Ihrer Übung nicht heran. Ein Stich des Mitleides durchzuckte Alari. Letzten Endes war dieser Konflikt doch nichts anderes als der Streit unter ihren Eltern - und Sie, die Kinder besagter Eltern, konnten nichts anderes tun, als ihren jeweiligen Vätern und Müttern beizustehen. So war es in jeder Familie, und so war es auch bei Orks, Trollen und anderen 'Wilden'. Familie war für Sie alle von Bedeutung. Doch es half nichts. Diesen Konflikt mussten Sie austragen, denn Mitleid alleine hinderte Ihre Feinde nicht daran, all jene zu töten, die einem selbst lieb und teuer waren.

    Ein Geräusch drang in ihre Ohren. Das Brechen von Zweigen. Schwere, beschlagene Stiefel, die sich ohne Rücksicht auf die zarte Schönheit des Waldes durch Felder von just erblühten Blumen trampelten. Das gierige Brüllen von Kriegern, die in einen Blutrausch versunken waren, um dem Grauen der Schlacht beizukommen. Dumpfe Hiebe und das Brechen von Rinde, als Kerben in stolze Bäume geschlagen wurden, nur, weil sie unfähig waren, Ihren Weg alleine zurück zu finden. Alari schüttelte den Kopf. Selbst in diesen beiläufigen Handlungen bewies sich, zu welchen Tieren der Krieg sie alle machte. Und wenn Sie ehrlich war, hatte selbst Ihr eigenes Volk einige Handlungen in jenem großflächigen Konflikt begangen, den sie mit zunehmender Intensität als 'Krieg' betitelt hatten, auf die sie nicht stolz war. Aber ohnehin war Sie eine Befürworterin des Friedens. Das Sie gerade deswegen zur Waffe hatte greifen müssen, war ein Umstand, den Sie bedauerte. "Ihre Ankunft steht bevor." liess Sie ihre Stimme erklingen. Die Neuankömmlinge, die sie zuvor noch nicht hatten sprechen hören, sahen zu Ihr auf, doch Sie schenkte Ihnen keine weitere Beachtung. Normalerweise hätte Sie einige aufmunternde Worte für Sie übrig gehabt, doch nun musste sie sich konzentrieren, ihre verbliebenen Kräfte zum größtmöglichen Erfolg bündeln. Sie mussten Zeit gewinnen, auf dass die Zauberin ihren Spruch weben konnte. "Versperrt die Ohren und den Geist. Richtet Euch gänzlich auf jene Berufung, die Euch im Augenblick als die vortrefflichste erscheint! Lasst Euch nicht ablenken, und dies wilde Gebrüll soll sich im großen Grün verlieren und am heutigen Tage nimmermehr an Eure Ohren dringen." Mit dieser Warnung begann Sie Ihr Lied.

    (Zur Stimmung: https://www.youtube.com/watch?v=KTlPVNTH-b4. Bis Minute 5 klingt das Lied ungefähr so )

    Langsam erklang Ihre Stimme, als sich nun alle Blicke der Anwesenden auf Sie richtete. Ihre Stimme war von einer Energie erfüllt, die keiner von Ihnen je in dieser Weise vernommen hatte - beinahe schien es, als würde nicht eine Einzelne, sondern ein Chor von Elfen die Melodie erklingen lassen. Wie sanfte Wellen schwoll Ihr Gesang auf und ab, als sich der Blick der Willensschwachen unter den Zuhörern unweigerlich in der Umgebung verlor und ziellos wurde. Sie konnte an den Orken hören, wie die ersten in ihrer Raserei nachliessen, verwirrt und eingelullt von dem Sirenengleichen Lied, das aus Ihrer Kehle drang. Ihre Stimme war das süße Quellwasser, dass dem Verdurstenden Rettung versprach; Land für jene, die zu ertrinken drohten; und fester Boden für jene, die verzweifelt um Halt rangen. Er war eine schöne Gestalt, ein freundlicher Wegführer, der den Verirrten an die Hand nahm und fort von all dem Grauen führte, das die Realität für Ihn bereit hielt. Es schien, als würde der Wald selbst auf Alaris Gesang antworten, als sich Wege durch das Dickicht bahnten und Unterholz dort wich, wo zuvor noch kein Durchkommen gewesen war - nur, um sich hinter den hindurch Schreitenden wieder zu verschliessen und Sie somit heillos in die Irre zu führen. Ihr Gesang war die zarte, lustvolle Verdrängung all dem, was im Moment zuvor noch wichtig gewesen war - und die, die Ihm zu aufmerksam folgten, wurden von Ihm hinfort getragen wie ein Stück Treibholz, das in einen vor sich hin plätschernden Bach fiel. Langsam, aber stetig wurden die ersten Orken von der Meute fort getrieben, suchten andernorts, verloren sich im Wald.

    Der Wind selbst trug Ihr Lied in den Wald hinaus, ganz so, als jubilierte Eremon, dass ein solches Lied nach Zeitaltern des Schweigens erneut gesungen wurde.
    Geändert von Rosered_Strauss (21.06.2016 um 02:09 Uhr)

  13. #13
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    Das Kribbeln war nun so intensiv, dass es sich anfühlte, als würde lauter kleine Nadeln in ihre Haut gestochen werden. Es war kein unangenehmes Empfinden, aber es machte Aine unruhig. Chandra, ihre Lehrmeisterin, hatte ihr damals eines dieser Risse gezeigt. Es waren Zeitrisse, die durch Teleportation entstanden. Eine Art der Reise, die eigentlich in der Natur nicht vorgesehen war und das Gefüge ins Ungleichgewicht brachte. Das Schlimmste, was passieren konnte, dass Deimonen durch den Riss in die Welt strömen würden oder man selbst in deren Welt landete. Allein der Gedanke ließ Aine schaudern. Die Orks waren grausame und erbitterte Krieger, aber gegen Deimonen würden sie den Kürzeren ziehen. Zumindest hatte das Aine gelesen und über Deimonen gab es nur verbotene Literatur, dafür hatte der Magierzirkel gesorgt.
    Sie konnte den Riss sogar sehen. Ein kaum erkennbares Flimmern, dass sich wie eine Wunde durch die Luft zog, die man unbarmherzig mit einem Schwert geschlagen hatte. Es wirkte eindeutig unnatürlich und Aine fragte sich, wer hier eine Teleportation oder sogar eine Deimonenbeschwörung vollführt hatte. Egal, wie es passiert war, sie musste dies nun ausnutzen, sonst würden sie nicht von hier wegkommen.
    Sie schlug ihr Buch auf und blätterte hastig durch die Seiten. Nach kurzer Zeit fand sie den Teleportationszauber. Deutliche Warnungen waren bei diesem Spruch eingetragen worden, aber Aine brauchte sie nicht zu lesen. Jede Sekunde zählte, denn die Orks würden sie finden. Immerhin standen sie inmitten einer Lichtung, ganz so, als würden sie sich dem Feind darbieten wollen.
    Es war ein schwerer Zauber. Hätte Aine sich mehr mit der Magie beschäftigt und geübt, müsste sie nicht einen Kreis aufzeichnen, damit sie den Zauber stabilisiert. Aufmerksam ging sie jedes Wort im Kopf durch. Es gab mehrere Varianten des Zaubers. Sie wählte die Sicherste von diesen, denn sie glaubte nicht, dass sie die anderen erfolgreich umsetzen würde. Sie kaute verärgert auf ihren trockenen Lippen. Wenn sie Chandra jetzt so sehen würde… Sie wollte gar nicht daran denken.
    Sie holte tief Luft und sprach dann zu den Männern und Frauen, denen sie auf dem Weg hierher begegnet waren und mitgenommen hatten. Unter ihnen befanden sich auch die Elfe und der Trolljäger.
    „Ich werde mit dem Zauber beginnen! Haltet euch bereit! Die Grünhäute werden uns hören und sie werden kommen.“
    Die Gesichter um sie herum wurden hart und verbissen. Sie hatten einen Funken Hoffnung geschöpft und würden diesen verteidigen. Gut, dachte sich Aine, dann erhöhen sich auch meine Überlebenschancen, wenn sie mich schützen.
    Mit ihrer Feuermagie hatte sie einen magischen Zirkel in den Boden gebrannt. Sie hoffte, dass dieser bei dem Regen standhalten würde, denn plötzlich donnerte es geräuschvoll und vereinzelt fielen Tropfen vom Himmel herab.
    Sie wollte gerade anfangen den Zauber zu sprechen, da hörte sie einen fremden Gesang aus einer Baumkrone. Es war… unbeschreiblich. So etwas hatte Aine noch nie vernommen. Sie spürte die Magie in dem Lied, eine ganz besondere Art von Magie. Fast als wäre diese aus einer anderen Zeit. In dieser Elfe steckte scheinbar mehr als nur ihre beeindruckende Schönheit.
    Aine wandte sich ab und konzentrierte sich. Sie musste den Riss größer machen, damit auch alle hindurch konnten. Obwohl Aine nicht viel vom Beten hielt, gab sie sich einen Moment die Götter um ihre Gunst zu bitten. Dann begann sie die Formel aufzusagen.
    Ein immer lauter werdendes Knistern erfüllte die Lichtung. Die Grünhäute hatten nun ein Ziel und sie marschierten ohne Zögern in diese Richtung.

    Geändert von coel (21.06.2016 um 11:52 Uhr)

  14. #14
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari musste nahezu ihre ganze Konzentration auf die Orks und Goblins richten - und kam doch nicht umhin, um einzelne Eindrücke der Magierin bei Ihrer Arbeit aufzuschnappen. Sie wunderte sich immens darüber - Sie hatte nicht gehört, dass eine menschliche Maga bereits einen solchen Grad der Meisterschaft erlangt hatte. Zwar war ihre Art der Zauberkunst nach elfischen Maßstäben roh und grob, doch die Kräfte, die sie zu bündeln verstand, überstieg das, was sie selbst an Macht zu entfesseln vermochte, bei weitem. Schaffte Sie es etwa, sich an dem Überbleibsel der Magie Ihres Meisters zu bedienen? Doch diesen Gedanken konnte sie nicht weiter nachhängen, zu dringlich war die drohende und äusserst greifbare Gefahr. Mit einem gutturalen Brüllen signalisierten die Grünhäute, dass die kleine Gruppe bemerkt hatten. Alari war plötzlich sehr froh, diese Menschlinge gefunden zu haben, ansonsten hätte Sie sich den kräftigen Kindern Noroshs womöglich alleine stellen müssen, hätten diese Sie eingeholt. So aber konnte Sie die kräftigen Schwertarme Ihrer Alliierten mit dem Bogen unterstützen, anstatt sich selbst im Nahkampf wieder zu finden. So erschöpft, wie sie war, war sie für diesen Umstand mehr als dankbar. Jedoch würde sich das wohl früher oder später nicht vermeiden lassen, waren Ihre Pfeile doch begrenzt, während die Horde, der Sie alle sich gegenüber sahen, ohne Zahl schien.

    So war es auch die Elfe, die den ersten Schuss abgab. Als die Orken gerade noch brüllten, um sich selbst noch weiter in Rage zu versetzen, löste sich der Pfeil von der Sehne Ihres Bogens, schnellte durch die Bäume hindurch und bohrte sich in die Schulter der vordersten Grünhaut. Deren Schrei brachen ab, um durch ein Jaulen ausgetauscht zu werden, als sich jedoch der Rest auf die Lichtung stürzte. Ihnen allen war klar, dass Sie auf Zeit spielen mussten. Daher legte es Alari vor Allem darauf an, Ihre Verbündeten zu schützen. Wann immer ein Ork versuchte, Ihnen in die Flanke zu fallen oder einer der Kämpfer in allzu starke Bedrängnis geriet, sandte sie einen Pfeil in Richtung des entsprechenden Aggressors, dem gegenüber besondere Vorsicht gewaltet werden musste. Ohnehin hatte Sie nicht die Zeit, Ihre Schüsse auf besonders lethale, kleine Stellen zu richten - zu groß war die Anstrengung, während des Kampfes überhaupt noch das Lied zu singen, das es Ihnen ermöglichte, nicht völlig überrant zu werden.
    Geändert von Rosered_Strauss (22.06.2016 um 19:20 Uhr)

  15. #15
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Vergangenheit:
    Gerade erreichte sie die "frohe Botschaft". Groznok Khull. Den kannte sogar sie, obwohl sie sich nicht sonderlich für Orks interessierte. Orks zu Bestehlen wäre etwas für Leute, die gerne am Limit leben und die einen Fetisch für stinkige Lumpen haben. Zu diesen Leuten, wenn es sie überhaupt gab, gehörte Nezlez ganz sicher nicht.
    Sie war alles andere als erfreut. In eine Schlacht zu ziehen war ein Risiko ohne eine nennenswerte Belohnung. Und nichts anderes würde er von ihr verlangen. Mit ihm zu reden war vermutlich aussichtslos, aber sie wollte dem Idioten, der ihr die Lebenszeit rauben will, Angesicht zu Angesicht begegnen.
    Also sprach sie mit ihren Männern:
    "OK hört zu. Er ist ein hässlicher, aufgepumpter Wichser. Das finde ich und ihr solltet das auch finden..." Einer ihrer Männer, er war ein großer Bewunderer der Orks, machte schon Anstalten den Mund aufzumachen, doch sie bemerkte es und erstickte seine Intention mit einem bösen Blick in seine Richtung. "Ihr würdet es spätestens dann finden, wenn euch sein ekliger Gestank entgegenschwebt. Er will meinen Trupp für seine Armee, und das ist eine Frechheit. Trotzdem müsst ihr die Klappe halten. Lasst mich sprechen und steht solange einfach da. Von mir aus haut euch gegenseitig, ist mir egal, aber wehe ich sehe einen von euch an seinen miefigen Zehen rumlecken, dann bringe ich ihn um!"
    Keine Widerworte, nur das typische herumgetuschel. Sie drehte sich um, machte eine seitliche Bewegung mit dem Kopf um anzudeuten, dass man ihr folgen sollte und ging mit ihrem Trupp zu Groznok.
    Als sie vor ihm Stand, war es durchaus nochmal ein seltsames Gefühl, jemandem gerade mal bis an den Gürtel zu gehen. Aber das änderte nichts an ihrer schlechten Laune, schon gar nicht, als er äußerst grimmig zu ihr hinab blickte, als er sie sah. Sie erwiderte seinen Blick sehr entnervt.
    "Nässläss, als ich von deinem Ruf hörte, hätte ich dich mir...größter vorgestellt. Allerdings, du bleibst eine Gobbos schätze ich. Er grinste böse." Das ärgerte sie, aber angesichts seiner Erscheinung beherrschte sie sich und fragte nur scharf "Was willst du?" "Das weist du. Ihr werdet mich morgen begleiten. Du und deine Leute. Wie der Rest deines Stammes und auch alle Stämme in der Umgebung. Ich hoffe, dass du dich genauso auf die Schlacht freust wie ich es tue." Es war nicht seine Absicht, zu scherzen. Kalt und eindringlich schaute er sie von Oben herab an, wissend, dass sie im Zweifelsfall auch Futter statt Mitstreiterin sein würde. Nezlez wurde verunsichert. Aber so schnell wollte sie sich noch nicht abwimmeln lassen. "Nagut, kein Problem, aber... was haben mein Trupp und ich davon?" Groznoks Gesichtsausdruck verhärtete sich. "Du hast davon, dass du vorerst überlebst. Und wenn du deine Sache gut machst, wirst du auch noch eine Weile weiter überleben. Wenn ihr Glück habt findet ihr vielleicht die Gelegenheit, einige der Toten mit euren dreckigen Fingern zu plündern." Er schaute sie recht abfällig an. "Aber vorher werdet ihr kämpfen, Gobbos". An der Sache mit dem Plündern war etwas dran. Vermutlich würden die Soldaten der feindlichen Truppe weit wertvollere Gegenstände mit sich führen, als einfache Bauern oder arme Händler. Außerdem war Groznok anzusehen, dass er weitere Widerworte nicht dulden würde. Darum nickte sie nur noch kurz, aber nicht ohne ihm einen grimmigen Blick zuzuwerfen. Einer ihrer Männer jauchzte freudig auf und hielt sich dann den Mund zu. Als sie sich umdrehte und ging, wandte sie sich Augenrollend an Pemp. "Du bist wirklich peinlich weist du das."


    Gegenwart:
    Da waren sie nun also. Im Wald, direkt anbei der Schlacht. Nezlez hatte das Chaos der Schlacht so gut es ging ausgenutzt und hatte sich mit ihren Männern nach und nach abgekapselt. Natürlich war sie nicht desertiert...sie hatte ihre strategische Position verlagert. Natürlich hätte sie auch bei den Hauptstreitkräften bleiben können. Es wäre nicht einmal so unsicher gewesen, zumindest wirkte es bisher so, als wäre die Armee der Orks zahlenmäßig den Gegnern weit überlegen. Aber sie hatte gerne eigenen Handlungsspielraum. Nach der Pfeife von Groznok zu tanzen, war schlussendlich nicht ihr Ding. Nicht alle ihrer Männer waren noch bei ihr. Zwei fielen im Kampf durch den Gegner, einer wurde aus versehen von einem der Orks erschlagen, der etwas sehr fahrig mit seine Axt umging. Pemp und sein bester Freund Kassk blieben bei den Hauptstreitkräften. Für Diskussionen war keine Zeit mehr gewesen. Das bedeutete, dass sie noch 7 Goblin hinter sich hatte. Sie waren also insgesamt zu 8t.
    Obwohl die Goblins in ihrem Trupp wie die meisten Goblin nicht besonders helle waren, bewegten sie sich außerordentlich geschickt im Wald, das musste man ihnen lassen. Während die Orks sich über solche Dinge keinerlei Gedanken machten, und auch nicht machen mussten, hatte Nez' Goblintrupp gelernt, sich möglichst lautlos an die Opfer ihrer Raubzüge zu schleichen. Einige Meter vor ihr sah sie Frex auf sich zukommen, sie hatte ihn zum spähen vorausgesendet, als sie in einiger Entfernung Schritte hörte. Sie nickte ihm kurz zu. "Menschhhen! Ein großer Starker und noch drei weitere. Dann eine Menschenfrau. Und eine garstige, GARSTIGE Elfin!" Er spuckte angewidert zur Seite. "Vergiss doch nicht das wichtigste, depp, haben sie etwas brauchbares dabei? Sind es Soldaten?" "Soldaten...hm...hm...vielleicht! Bewaffnet alle, aber die meisten verletzt, der Große macht mir Angst, die anderen nicht! Oh oh! Oooh! Die Menschenfrau! Sie! Sie sah so aus wie eine, die etwas von Wert dabei haben würde! Ja, ja!"
    Sie dachte kurz nach. Sie waren zu 8t. Wenn Frex gut gesehen hatte, waren ihre Feinde etwa zu 6t. Das waren eigentlich noch zu viele, aber wenn sie verletzt waren, sahen ihre Chancen gut aus. Und das mit der Menschenfrau reizte sie. Bestimmt würde sie Schmuck und Juwelen besitzen. "Wir folgen ihnen!" beschloss sie und sie machte sich mit ihrem Trupp schnell wieder auf den Weg. Gelotst wurden sie von Frex, dessen Begeisterung nun entfacht war, da er eine so wichtige Rolle gut ausgeführt zu haben schien.
    Sie verfolgten die Menschen und die Elfe bis kurz vor den Rande einer Lichtung. Keiner von den Goblins hatten je die Magie richtig kennengelernt. Schon garnicht Elfische. Der plötzliche Gesang war für die Goblin fremd und unheimlich. Nezlez spürte, wie ihr Elan sank und sie auf einmal müde wurde. Fast wäre sie kurz zusammen gesackt, dann schoss es ihr durch den Kopf. ("Die Elfe! Sie will uns verhexen!") Verärgert schüttelte sie sich und schaute nach den anderen Goblin die ähnlich beeinflusst wurden. Sie zischte und boxte einige von ihnen an, sagte ihnen, sie sollten sich gefälligst zusammenreißen und nicht auf das Gesülze irgendeiner elfischen Hure hereinfallen. Manche schafften es, sich zusammenzureißen, andere hielten sich zur Sicherheit die Ohren zu.
    Sie schlichen sich weiter heran, begannen zu kriechen und schließlich konnte sich Nezlez selbst ein Bild machen. Was sie sah gefiel ihr. Frex hatte Recht gehabt, mit der Art ihrer Feinde und auch was die Frau betraf. Die anderen Menschen standen schützend um sie herum. Sie musste etwas wertvolles bei sich tragen, vielleicht war sie sogar selbst wertvoll als Geisel. Nezlez wurde sich in ihrem Vorhaben immer sicherer. Und doch war sie auch beunruhigt. Die Frau laß in einem Buch. Irgendetwas seltsames war an dieser Lichtung, irgendetwas seltsames lag in der Luft. Es war nicht nur der Elfengesang, Nez spürte, dass noch mehr Magie im Spiel sein musste. Und das Trommeln und Gebrülle, dass sich in den Gesang mischte, war auch nicht sonderlich hilfreich. Moment.
    "Verdammte scheiße!" fluchte sie. "Sind nicht mehr alleine, Herrin! Die Orkse sind nachgerückt", flüsterte einer ihrer Männer zu ihr.
    Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Nicht nur, dass ihre ersehnte Beute Magiebewandert war, nun kamen auch noch die Orks und wollten ihr ihre Beute streitig machen. Das einzig Gute war, dass die Orks auf IHRER Seite waren. Sie wäre gerade ungern in der Haut der Menschen auf der Lichtung.
    Sie drehte sich kurz zu ihrem Trupp und sprach in sehr ernstem Ton: "Bleibt unten!! Wir lassen die Orks die Vorarbeit leisten. Vielleicht gelingt es uns, den richtigen Moment abzupassen. Mich interessiert nur die Frau. Alle anderen können wir ruhig sterben lassen."

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